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Politik

Wer Wut sät

Einen Präsidenten, der Neonazis verharmlost, hat es noch nicht gegeben. Für viele Republikaner ist Donald Trump zu weit gegangen. Die Absetzbewegungen werden deutlicher, sie bringen Trump in Bedrängnis wie nie zuvor.

EDEL RODRIGUEZ FÜR DEN SPIEGEL
von
Christoph Scheuermann
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Politik

Am Ende eines blutigen Wochenendes, als eine Frau tot ist und viele weitere Menschen verletzt sind, sitzt Christopher Cantwell in einem Hotelzimmer und sagt: "Das war es wert." Cantwell ist einer der Organisatoren des "Unite the Right"-Marsches in Charlottesville, ein Neonazi, der gegen Schwarze, Juden, Einwanderer hetzt. Er war vorige Woche nach Virginia gereist, um gegen den Abriss einer Statue aus dem amerikanischen Bürgerkrieg zu protestieren. Ihm ging es ums Prinzip. Einige von Cantwells Kameraden trugen Stahlhelme und selbst gebaute Schutzschilde aus Holz und Plastik, wie eine Armee von Billigsöldnern.

Cantwell wirkt aufgekratzt, als er einer Reporterin von "Vice News" die Waffen zeigt, die er bei sich trägt, vor laufender Kamera. Ein Schnellfeuergewehr, zwei Pistolen im Gürtel, eine weitere am Wadenhalter, ein Messer, ach ja, und da hinten, Cantwell zeigt auf eine schwarze Tasche, "noch eine AK. Man verliert ja schnell den Überblick über seine Knarren".

Wer Zweifel daran hegt, wie gewaltbereit und fanatisch die Rechten in den USA geworden sind, sollte sich den "Vice"-Film ansehen. Weiße Nationalisten sind da am Vorabend der Demonstration mit Fackeln zu sehen. Privatmilizen in Tarnuniform, offenbar mit automatischen Schusswaffen ausgestattet, Männer mit Hakenkreuzflaggen, Juden- und Schwulenhasser, Faschisten aus sämtlichen Teilen des Landes. Sie alle strömten in das liberale Universitätsstädtchen im ländlichen Virginia.

Es war ein dröhnender, brüllender Aufmarsch der Rechten, 500 Leute, die größte Versammlung von Nationalisten seit Jahren in den USA. Eine Demonstration des Hasses, so eindeutig, dass es keine Zweifel daran geben konnte, wer da durch die Straßen zog. Und dann rast noch ein Auto in eine Gruppe von Gegendemonstranten, gesteuert von einem Anhänger der Rechten. Eine Frau stirbt, die Rechtsanwaltsgehilfin Heather Heyer aus Charlottesville, 19 Menschen werden verletzt. So offensichtlich sind der Fanatismus und die Gewalt, dass kein Politiker…

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Nr. 34/2017