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Politik

„Wer soll es sonst machen?“

AfD-Chefin Frauke Petry will im internen Machtkampf der Partei nicht klein beigeben, warnt vor rechtsextremem Gedankengut und verteidigt das Wahlplakat mit ihrem Baby.

SVEN DOERING / DER SPIEGEL
von
Melanie Amann
und
Markus Feldenkirchen
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Politik

Petry, 42, betritt die winzige Geschäftsstelle der AfD in Leipzig mit ihrem drei Monate alten Sohn Ferdinand, mit dem sie bereits für ein Wahlplakat posierte. Ferdinand wird schnell dem Landesgeneralsekretär Uwe Wurlitzer in den Arm gedrückt, der ins Nebenzimmer verschwindet.

SPIEGEL: Frau Petry, sind Sie tatsächlich noch Chefin der AfD?

Petry: Daran kann es – glaube ich – keinen Zweifel geben. Wenn Sie schauen, wer mit der AfD in der Öffentlichkeit in Verbindung gebracht wird, wie stark die Partei letztlich Repräsentationsfiguren braucht und wie sehr ich mich in den zurückliegenden viereinhalb Jahren eingesetzt habe, dann ist Ihre Frage wohl eher rhetorisch gemeint.

SPIEGEL: Faktisch läuft der Wahlkampf ohne Sie, seit Monaten sind Sie abgetaucht, sogar Hinterbänkler greifen Sie an. Haben Sie in der AfD echt noch was zu melden?

Petry: Sie lesen wohl keine Zeitung? Wichtig ist nicht die Zahl der Auftritte, sondern ihre Wirkung bei den Wählern. Wie Sie wissen, ist mein jüngster Sohn gerade mal knapp drei Monate alt. In einer Familienpartei wie der AfD kann ich auf das Verständnis der Mitglieder zählen, wenn ich für mein Baby etwas kürzertrete.

SPIEGEL: Auf dem Kölner Parteitag ließen Ihre Parteifreunde Sie eiskalt auflaufen, Ihre Anträge fielen durch. Nachdem Sie vor zwei Jahren Bernd Lucke gestürzt haben – droht Ihnen nun dasselbe Schicksal?

Petry: Sie zeichnen wie so oft ein Schwarz-Weiß-Bild. Ich stehe für eine Partei, die dem Wähler konkrete Ideen und deren realpolitische Umsetzung anbietet. Das wünschen sich viele Mitglieder. Deshalb gibt es für diesen Kurs auch weiter große Unterstützung in der AfD. Reibereien unter Funktionären gibt es in jeder Partei.…

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Nr. 34/2017