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Kultur

Wer sind wir?

Es geht um rechts und links, um die Fragen von Integration und Migration: Die neuen Bücher von Timur Vermes und Ahmad Mansour befeuern die Debatte um die Identität der Deutschen – und im Hintergrund lauert Thilo Sarrazin.

PETER NEUSSER / DER SPIEGEL
von
Sebastian Hammelehle
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Damals, vor sechs Jahren, 2012, Angela Merkel war Bundeskanzlerin, Joachim Löw Bundestrainer, die Welt war in vielem so, wie wir sie heute kennen, und doch eine ganz andere, da erschien ein Roman. Der Umschlag fast weiß, oben ein schwarzer Scheitel, die Buchstaben des Titels in der Mitte zu einem Rechteck angeordnet, wie ein kleines Bärtchen: »Er ist wieder da«. Irgendwie bekannt, diese Visage. So wusste jeder sofort, wer gemeint war: der Hitler natürlich. Und um den ging es ja auch. Der Führer wacht auf im Berlin des Jahres 2011. Und dieser Führer macht wieder Karriere.

Aber, schon klar, er, Hitler, wieder da, das war eine Chiffre: Da war etwas, da lag etwas in der Luft, da sollte sich politisch etwas tun. Ein Mann hatte das offenbar geahnt, Timur Vermes. Sein Roman stand 19 Wochen auf Platz eins der SPIEGEL-Bestsellerliste, wurde in 43 Sprachen übersetzt und verfilmt. Gesamtauflage über drei Millionen Stück, eine Sensation.

Nun veröffentlicht Timur Vermes einen neuen Roman. »Die Hungrigen und die Satten« heißt er*. Das klingt fast schon nach Dostojewski, nach einem gravitätischen, nach einem todernsten Buch. Doch »Die Hungrigen und die Satten« ist ein Unterhaltungsroman, eine Satire voller Spott, voller Knalltüten und eitler Pfeifen. Aber auch das Buch eines Autors, dem es ziemlich ernst ist, weil sein eigentliches Thema keinesfalls lustig ist. Vermes erzählt von uns, von den Satten, den Europäern, von einer EU, die ihre Außengrenzen vollends abgeschottet und die nordafrikanischen Staaten in dieses System eingebunden hat. Und er erzählt auch von den Massen der Hungrigen, den Flüchtlingstrecks, die nur noch bis zur Sahara kommen, von ihrem Leben in riesigen Lagern.

Was…

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Nr. 34/2018