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»Warum gerade die, und warum 25?«

Die Physikerin Sabine Hossenfelder über die irregeleitete Suche nach der Weltformel, Einsteins Abscheu vor dem Urknall und Fachkollegen, die einfach so neue Elementarteilchen erfinden

TIM WEGNER / DER SPIEGEL
von
Manfred Dworschak
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Hossenfelder, 41, forscht am Frankfurt Institute for Advanced Studies. In ihrem neuen Buch wirft sie der Theoretischen Physik vor, sich heillos verrannt zu haben in Spekulationen über Multiversen, Supersymmetrien und Geisterteilchen(*).

SPIEGEL: Frau Hossenfelder, würden Sie sich heute noch einmal für ein Physikstudium entscheiden?

Hossenfelder: Hätte ich geahnt, wie sehr man da seine Arbeit verkaufen muss ... schwer zu sagen. Am besten fährt man in meinem Fach ja mit Forschungsthemen, die bei den Kollegen gut ankommen. Besonders beliebt sind aber leider Theorien, bei denen ich mich frage, ob das noch irgendetwas mit der Realität zu tun hat.

SPIEGEL: Zum Beispiel?

Hossenfelder: Die Supersymmetrie. An sich ein schönes Weltmodell: Jedem Elementarteilchen entspricht ein supersymmetrischer Partner. Aber die Suche nach diesen spiegelbildlichen Partikeln läuft seit Anfang der Neunzigerjahre – ohne Erfolg. Trotzdem geht das immer so weiter.

SPIEGEL: In Ihrem neuen Buch erheben Sie schwere Vorwürfe gegen die Grundlagenphysik, die den Aufbau des Kosmos erforscht. Sie zweifeln, dass das überhaupt noch eine solide Wissenschaft ist. Warum?

Hossenfelder: Wir kommen mit dem Verständnis der Naturgesetze nicht mehr voran. Wir betreiben Detektoren in unterirdischen Minen und etliche Teilchenbeschleuniger, darunter den…

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Nr. 24/2018