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Politik

„Wähler können nicht falschliegen“

Der österreichische Wahlsieger und Außenminister Sebastian Kurz über eine mögliche Koalition mit der Rechtsaußen-Partei FPÖ, seine harte Linie in Migrationsfragen und sein Verhältnis zu CDU-Politikern in Deutschland

JORK WEISMANN / DER SPIEGEL
von
Walter Mayr
,
Markus Feldenkirchen
und
Mathieu von Rohr
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Politik

SPIEGEL: Herr Kurz, Sie sind 31 Jahre alt und womöglich bald Bundeskanzler. Sind Sie sich manchmal selbst unheimlich?

Kurz: Überhaupt nicht. Ich bin mir aber der großen Verantwortung bewusst. Bei mir hat sich in den vergangenen Jahren vieles sehr schnell, aber auch nicht von heute auf morgen entwickelt. Ich habe mehr als sechs Jahre Regierungserfahrung. Die Entscheidung zur Spitzenkandidatur habe ich mir nicht leicht gemacht. Ich habe mich im Mai entschieden, die Österreichische Volkspartei zu verändern, eine breite Bewegung zu starten – mit dem Ziel, dieses Land zum Positiven zu verändern.

SPIEGEL: Verstehen Sie, dass es anderen Leuten unheimlich ist, wenn ein so junger Mensch die Geschicke eines Landes übernimmt?

Kurz: Wenn's den Menschen in Österreich so ginge, dann hätten sie mich wahrscheinlich nicht gewählt. Die Österreicher konnten sich in all den Jahren ein Bild von mir machen. Andere Kandidaten waren wesentlich kürzer auf der politischen Bühne. Manche Kandidaten in Deutschland, die davor auf europäischer Ebene tätig waren, waren den Wählern vermutlich fremder.

SPIEGEL: Wünschen Sie sich nicht manchmal, für dieses Amt mehr Lebenserfahrung zu haben?

Kurz: Jeder ist, was er ist. Man wird nicht von heute auf morgen 30 Jahre älter. Ältere haben natürlich den Vorteil breiterer Lebenserfahrung. Aber deswegen sollte man sich als junger Mensch nicht in eine Depression stürzen. Wenn das junge Alter wirklich ein Problem ist, bleibt immer noch als Trost: Es wird von Tag zu Tag besser.

SPIEGEL: Ständig wird über Ihr Äußeres geredet und geschrieben. Ärgert Sie das?

Kurz: Das habe ich nicht so erlebt. Im Wahlkampf ging es um vieles, um Inhalte, um Stil, um "dirty campaigning" mit Methoden, die wir in Österreich eigentlich nicht wollen – aber was kaum ein Thema war, ist die Frage, wie die Spitzenkandidaten ausschauen.

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Nr. 43/2017