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Wirtschaft

„Wachsen – aber anders“

Achim Steiner, Chef des Uno-Entwicklungsprogramms, über die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie und seinen unerschütterlichen Optimismus

ARNE WEYCHARDT / DER SPIEGEL
von
Susanne Amann
und
Carolin Wahnbaeck
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Wirtschaft

Steiner, 56, zählt zu den Deutschen, die im Ausland bekannter sind als zu Hause: Seit Juni 2017 ist er der drittmächtigste Mann innerhalb der Vereinten Nationen (Uno), als Leiter des Entwicklungsprogramms UNDP verwaltet er ein Budget von fünf Milliarden Dollar. Steiner, in Brasilien geboren und aufgewachsen, hat unter anderem Ökonomie und Philosophie in Oxford, London und Berlin studiert. Er gilt als Mann der leisen Töne, der allerdings beharrlich für seine Ziele kämpft.

SPIEGEL: Herr Steiner, das Jahr 2017 war geprägt von der Angst vor Hungersnöten: am Horn von Afrika, in Nigeria, im Jemen. Sie sind seit einem halben Jahr der Uno-Entwicklungschef. Tun Sie nichts?

Steiner: Im Gegenteil. Dass es im gesamten Jahr 2017 zu keiner großen Hungerkatastrophe gekommen ist, liegt mit daran, dass die Vereinten Nationen früh interveniert haben. Anfang 2017 hat Uno-Generalsekretär António Guterres die Welt aufgerufen, sofort Hilfe zu leisten. Und das ist dann auch passiert. Natürlich leiden noch immer sehr viele Menschen durch die Dürre, aber Nahrungsmittellieferungen haben das Schlimmste verhindert.

SPIEGEL: Trotz der Arbeit der Uno hungern jenseits der aktuellen Krisen weltweit 815 Millionen Menschen, das ist mehr als jeder zehnte. Irgendwas läuft doch schief.

Steiner: Sie haben recht: Über 800 Millionen hungernde Menschen zu Beginn des 21. Jahrhunderts sind völlig inakzeptabel. Aber wer den langfristigen Trend betrachtet, sieht: Der Anteil der absoluten Armut und der Hungernden sinkt. Viele Länder haben sich in den letzten zwei, drei Jahrzehnten stark entwickelt, sonst wäre die Zahl der Hungernden heute…

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Nr. 2/2018