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"Vier Stunden online sind nicht viel"

Wie viel Digital ist gut? Wann ist Zeit abzuschalten? Seine Zunft könne keine Regeln vorgeben, sagt der Psychiater Jan Kalbitzer – aber verunsicherten Nutzern helfen, eigene zu finden.

AGATA SZYMANSKA-MEDINA / DER SPIEGEL
von
Kerstin Kullmann
und
Hilmar Schmundt
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Kalbitzer, 38, ist Psychiater und Leiter des Zentrums für Internet an der Charité in Berlin. In seiner jüngeren Forschung beschäftigt er sich mit der Frage, wie die eigene Einstellung zum Internet den Umgang mit dem Medium prägt. In seinem Buch "Digitale Paranoia" beschreibt Kalbitzer, wie man einen gesunden Umgang mit Tablet, Smartphone und PC entwickeln kann(*).

SPIEGEL: Herr Kalbitzer, im Sommer 2014 haben Sie mit Kollegen in einer Fachzeitschrift einen Artikel veröffentlicht, in dem Sie diskutieren, ob Twitter Psychosen auslösen kann. In den sozialen Medien wurden Sie dafür heftig angegriffen. Sie galten als technikfeindlicher Untergangsprophet im Arztkittel. Sind Sie das?

Kalbitzer: Der Artikel lag lange in der Schublade, niemand hat sich dafür interessiert. Ich hatte die Reaktion der Medien nicht erwartet, sondern wollte unter den Kollegen eine Reaktion auf das Thema provozieren. Und plötzlich hagelte es weltweit Kritik. In Teilen zu Recht. Es gab einen wichtigen Einwand: dass man nicht mal eben in einem Handstreich das Internet verteufeln könne. So, wie er war, würde ich den Text heute nicht mehr veröffentlichen.

SPIEGEL: Haben Sie selbst eine Paranoia entwickelt? Sich überlegt, was die Leute über Sie reden?

Kalbitzer: Keine Paranoia im klinischen, sondern eher im umgangssprachlichen Sinn. Wenn man plötzlich so viel über sich im Internet…

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Nr. 38/2016