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Gesellschaft

Vier Leben

Zehn Jahre verbrachte der Kosovare Berat B. unter falschem Namen in Deutschland, mal als Italiener, mal als Albaner. Fast gelang ihm die perfekte Integration – bis er aufflog.

HUBERT GUDE / DER SPIEGEL
von
Hubert Gude
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Gesellschaft

Der Termin im März 2015 in der Ausländerbehörde von Remscheid verlief reibungslos. Roberto B. konnte sich mit einem nagelneuen Personalausweis, einer "carta d'identità", als Italiener ausweisen. Auch seine Arbeitspapiere hatte er dabei, um zu belegen, dass er zu Recht von der EU-weiten Freizügigkeit profitierte. Der 28-Jährige sprach fast fließend Deutsch und sah sympathisch aus: groß, schlank, dunkelblonde Haare, kastanienfarbene Augen.

Doch ein paar Tage später erhielt Roberto B. Post – zuerst von der Ausländerbehörde, dann von der Staatsanwaltschaft. Das Problem: Die Nummer auf seinem Ausweis war bereits vergeben, an einen anderen Italiener; das Dokument, das er der Ausländerbehörde präsentiert hatte, war eine Fälschung.

Tatsächlich heißt der vermeintliche Italiener Berat B. und kommt aus Gllogoc, einer kleinen Stadt in der Nähe von Priština im Kosovo. Berat B. ist eine Art Glücksritter, und lange schien es, als hätte er das Glück in Deutschland gefunden

Vor zehn Jahren war der Kosovare mithilfe eines Schleusers nach Deutschland gekommen, Stück für Stück baute er sich eine neue Existenz auf. Er fand Arbeit, zuletzt bei einem großen Automobilzulieferer im Rheinland. Man war mit ihm zufrieden. Er verfüge über ein "gutes Fachwissen", heißt es lobend im Arbeitszeugnis: "Er beherrschte seinen Arbeitsplatz umfassend und arbeitete konzentriert, ordentlich und zügig." Roberto B. zahlte Steuern und war bei der AOK versichert. Er hatte eine Wohnung…

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Nr. 29/2016