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Wirtschaft

„Verschwende nie eine Krise“

Airbus-Chef Thomas Enders über den Flugzeugverkauf in Zeiten von wachsendem Protektionismus, die Folgen des Brexit – und die Frage, warum er trotzdem an goldene Zeiten der Luftfahrt glaubt. Und an fliegende Autos.

POLO GARAT / DER SPIEGEL
von
Gerald Traufetter
,
Armin Mahler
und
Dinah Deckstein
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Wirtschaft

Die neue Airbus-Zentrale im südfranzösischen Toulouse wurde so nah wie irgend möglich an die Startbahn des Unternehmens gebaut: Enders, 57, liebt den Geruch von Kerosin. Der Sohn eines Schäfers ist Fallschirmspringer und leidenschaftlicher Flieger. Er war Major bei der Bundeswehr, was ihm den Spitznamen "Major Tom" einbrachte, und Referent im Verteidigungsministerium, bevor er beim Flugzeugbauer Dasa anfing. Der ging später im deutsch-französischen EADS-Konzern auf, der heutigen Airbus Group. Seit 2000 ist er dort Vorstand, seit 2012 alleiniger Vorstandsvorsitzender. Dass er in der Zentrale Jeans und Rolli trägt, ist bei ihm keine Anbiederung an den Zeitgeist: Enders mag es beim Arbeiten einfach bequem.

SPIEGEL: Herr Enders, der designierte US-Präsident Donald Trump will die neuen Regierungsmaschinen bei Boeing abbestellen. Haben Sie ihm angeboten, die Airbus A380 zur Air Force One umzubauen?

Enders: Um Himmels willen – nein. Aus dieser politischen Kontroverse halten wir uns raus. Hinzu kommt: Wenn ich an die besonderen technischen Spezifikationen eines solchen Fliegers denke, dann kann ich unserem Wettbewerber nur viel Glück wünschen.

SPIEGEL: Ein prestigeträchtiger Sieg über Ihren Erzrivalen wäre das allemal.

Enders: Dafür kann ich mir nichts kaufen. Wir haben die A380 für die großen, interkontinentalen Airlines der Welt entwickelt, nicht als VIP- oder Regierungsflieger. Und dabei soll es bleiben.

SPIEGEL: Aber es könnte künftig schwieriger werden, neue Aufträge zu bekommen: Die Wahl von Donald Trump, der Brexit und…

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Nr. 51/2016