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Wirtschaft

»Unsere Gehälter sind gerechtfertigt«

Seit Matthias Müller, 64, VW-Chef ist, kämpft er mit Schlagzeilen über Fahrverbote, Razzien und sein Gehalt. Eine Diskussion über deutsche Neiddebatten, sein Misstrauen gegenüber der Politik und die Frage, wie man ein Unternehmen ernsthaft verändern kann.

MICHAEL LÖWA / DER SPIEGEL
von
Susanne Amann
und
Simon Hage
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Wirtschaft

SPIEGEL: Herr Müller, seit Sie vor zweieinhalb Jahren VW-Chef wurden, fliegt Ihnen nur Dreck um die Ohren. Macht Ihnen der Job eigentlich Spaß?

Müller: Mir war klar, was da auf mich zukommt. Die Dieselkrise kostet mich einige Nerven, aber der Job macht tatsächlich auch Spaß: Nie gab es in der Autobranche eine spannendere Phase als jetzt. Mir geht es darum, Volkswagen in Richtung Zukunft zu drehen. Für mich kam nie infrage, mich vor der Verantwortung zu drücken.

SPIEGEL: Sie bekommen ein gutes Schmerzensgeld. 2017 stieg Ihr Gehalt um etwa 40 Prozent auf gut zehn Millionen Euro. Sind Sie das wert?

Müller: Das kann letztlich nicht ich beurteilen. Ich habe nie über die Höhe meines Gehalts verhandelt, auch bei diesem Job nicht. Ich weiß nicht einmal, wie sich diese Summe im Detail zusammensetzt. Ich weiß nur: Der Aufsichtsrat hat ein neues, modernes System aufgesetzt, das alle heutigen Anforderungen erfüllt. Hätte ich meinen alten Vertrag behalten, dann hätte ich im letzten Jahr übrigens rund 14 Millionen Euro verdient. Ich habe also auf einen großen Betrag verzichtet.

SPIEGEL: Für uns klingt das nicht nach Bescheidenheit. Ein VW-Projektleiter verdient etwa 80 000 Euro im Jahr, Sie das 127-Fache. Ist das gerechtfertigt?

Müller: Ich weiß nicht, was da politisch-gesellschaftlich gesehen der richtige Faktor wäre. Wirtschaftlich betrachtet bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis. Es gibt zwei Gründe für ein so hohes Gehalt: die Relevanz des Unternehmens für die Volkswirtschaft sowie das Risiko, das man als Konzernchef trägt. Als solcher steht man immer mit einem Fuß im Gefängnis.

SPIEGEL: Vor allem bei VW, wo Razzien der Staatsanwälte mittlerweile an der Tagesordnung sind.

Müller: Nein, das gilt für alle Vorstandschefs, unabhängig von der Dieselkrise. Es ist ein Mythos zu glauben, dass man im Vorstand immer alles mitbekommt, was in einem Unternehmen…

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Nr. 13/2018