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Verbrechen

„Unser erster Mord“

In einem Seniorenheim wurden offenbar zwei Demenzkranke getötet, andere misshandelt und gequält. Kurznachrichten und Handyvideos belasten drei Pflegekräfte schwer.

SASCHA RHEKER / DER SPIEGEL
von
Julia Jüttner
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Verbrechen

Mechthild M. sitzt im Rollstuhl, sie lächelt beseelt und kratzt sich mit einer Klobürste den nackten Oberkörper. "Das war eine gute Idee", sagt sie. Die 78-Jährige ist dement; als das Handyvideo entsteht, lebt sie in einem Pflegeheim der Arbeiterwohlfahrt, Wohnbereich II, in Lambrecht in der Pfalz.

Unter den Mitarbeitern aus dem Heim soll der Clip die Runde gemacht haben. Keiner von ihnen hat die Heimleitung verständigt.

Der Film ist nur einer von vielen, die derzeit das Landgericht Frankenthal beschäftigen. In einem Verfahren gegen drei Pflegekräfte geht es um demütigende Aufnahmen, Misshandlungen, Diebstahl – und Mord. Zwei Bewohnerinnen des Seniorenheims wurden offenbar getötet, eine dritte Frau konnte gerade noch gerettet werden.

Aus Langeweile und purer Lust am Töten sollen die Pflegekräfte Celina M., Danny L. und Michael K. ihre Opfer umgebracht haben. Die Angeklagten handelten aus "bloßer Freude an der Machtausübung", sagt Oberstaatsanwältin Doris Brehmeier-Metz, "um sich als Herren über Leben und Tod" zu geben.

Die Zustände im Seniorenhaus Lambrechter Tal erschüttern nicht nur die Angehörigen. Der seit fünf Monaten laufende Prozess rührt an Urängste: im Alter hilflos und ausgeliefert zu sein. Fremden Menschen, die ihre Macht ausspielen, gewissenlos, gnadenlos. Die Gewalt und Tod bringen mit Händen, die eigentlich helfen sollen. So wie bei Niels Högel, der als Krankenpfleger mindestens 103 Patienten getötet haben soll und…

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Nr. 8/2018