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Verbrechen

Ungeliebte Gäste

Hotels gelten als sicherer Ort fern des eigenen Zuhauses. Doch fast überall gibt es Sicherheitslücken, die es möglich machen, in Zimmer einzudringen und sie leer zu räumen. Fünfsternehäuser sind oft noch anfälliger als Durchschnittsherbergen.

MAREK VOGEL / DER SPIEGEL
von
Martin U. Müller
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Verbrechen

Es ist kurz vor Mitternacht, als es wieder klappt. Eine Frau, weiße Bluse, dunkles Sakko, geht an die Rezeption des Steigenberger-Parkhotels in Braunschweig und verlangt nach einer neuen Zimmerkarte.

»Müller, Zimmer 308.«

Nach ein paar Augenblicken hält sie die Karte in der Hand, der Rezeptionist wünscht ihr eine gute Nacht.

Was nach Service klingt, birgt ein Sicherheitsproblem: Die Karte hätte nicht an die Frau ausgegeben werden dürfen. Denn sie hat mit dem Zimmer nichts zu tun. Sie hat Raum 308 nie gebucht.

Der falsche Gast, dem es so problemlos gelang, an die Zimmerkarte zu kommen, heißt Bettina Herbst. Sie traut sich zu, das in nahezu jedem Hotel der Republik zu wiederholen. Ihr gelingt es fast immer.

Herbst, 50, ist Sicherheitsexpertin, arbeitete als Personenschützerin für Spitzensportler und deren Frauen und Kinder, ermittelt für Großkonzerne in Wirtschaftsstrafsachen. Mal muss sie an vertrauliche Dokumente herankommen, mal arbeitet sie sich über Monate in das Netzwerk einer Person hinein, um Angaben zu überprüfen. In Restaurants sitzt sie nie mit dem Rücken zum offenen Raum, »Personenschützer-Marotte«, sagt sie.

Ihr wichtigstes Thema derzeit ist die Sicherheit in Hotels. Sie ist Managerin von Antares Defence, einer unter anderem auf Hotelsicherheitskonzepte spezialisierten Firma. »Menschen fühlen sich viel zu sicher, wenn sie Hotelgäste sind«, sagt Herbst. Doch die wenigsten Herbergen unternähmen genug, um ihre Gäste zu schützen.

Das ist nicht nur ein Problem der…

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Nr. 20/2018