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Träumt weiter, Cyborgs

Können wir bald Hirne ins Netz hochladen? Ein Tübinger Arzt hält solche Visionen für Unfug und fordert mehr praktische Forschung. Er zum Beispiel hilft Gelähmten.

WOLFRAM SCHEIBLE / DER SPIEGEL
von
Hilmar Schmundt
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Was ist die größere Leistung: ein menschliches Gehirn mit einem Rechner zu vernetzen? Oder einen Löffel zum Mund zu führen? Diese Frage spaltet die Elite der Hirnforscher.

Auf der einen Seite steht Regina Dugan, die Leiterin von "Building 8", einem Innovationslabor beim sozialen Netzwerk Facebook. "Was wäre, wenn Sie direkt aus Ihrem Gehirn tippen könnten?", fragte sie unlängst bei der jährlichen Entwicklerkonferenz des Unternehmens, während diese Worte hinter ihr wie von Geisterhand auf dem Bühnen-Display erschienen.

Früher arbeitete Dugan bei der Darpa, der Forschungseinrichtung des US-Militärs, die auch den Vorläufer des Internets finanziert hat. "In wenigen Jahren", so hofft sie, könnten die Nutzer allein mit Gedankenkraft ihre Status-Updates posten.

Auch Elon Musk, dessen Elektroauto-Start-up Tesla trotz fehlender Profite an der Börse teils höher bewertet wird als General Motors, plant neben der Besiedelung des Mars eine weitere Expedition ins Unbekannte: das menschliche Gehirn.

Neuralink heißt die Firma, die Musk jüngst gegründet hat. Sein verwegener Plan: eine Schnittstelle ins Hirn zu implantieren, um zum Beispiel durch hauchfeine Kabel, ein sogenanntes Neural Lace, Mensch und Maschine zu hochintelligenten Mischwesen aufzurüsten, Cyborgs. Diese könnten theoretisch, wenn ihr Körper stirbt, ihre Gedanken als Back-up in einem Rechenzentrum sichern.

Sind Visionäre wie Musk mutige Vordenker – oder auf dem Holzweg? "Der…

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Nr. 23/2017