Lesezeit 7 Min
Verbrechen

Totale Party

Berlin gilt weltweit als Feier-Metropole, doch die Stadt hat ein Problem: Vor allem rund um die Klubs und Plätze in Friedrichshain eskaliert die Kriminalität.

GORDON WELTERS / DER SPIEGEL
von
Markus Deggerich
und
Marlene Göring
Lesezeit 7 Min
Verbrechen

Von einer Sekunde zur anderen ist die Feier vorbei, und der Horror beginnt. "Gib mir deine Kette, gib sie her!", schreit ein junger Mann, eine Hand drückt gegen die Kehle eines Passanten, die andere zerrt an dessen Halsschmuck. Der Angegriffene kann sich kaum bewegen, sein Rücken ist gegen die Mauer gepresst, die den nachtdunklen Fußweg begrenzt. Verzweifelt versucht er, die Beine des Räubers wegzutreten. Menschen schieben sich an dem Zweikampf vorbei, sehen ihn nicht oder wollen ihn nicht sehen.

Es ist Freitagabend in Berlin, hier im östlichen Bezirk Friedrichshain gibt es das, was die Hauptstadt ihren Besuchern verspricht: gute Laune, dicke Party. Auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks, kurz RAW, der größten Partymeile der Stadt. Das Gerangel der beiden Männer dauert nur ein paar Minuten, dann leuchtet aus allen Richtungen Blaulicht. Der Halskettenräuber rennt weg, benommen bleibt sein Opfer zurück. Erst mal hinsetzen und durchatmen, sagen die Beamten. Für sie ist das hier Routine, vor allem wenn es Nacht wird.

Berlin ist die meistbesuchte Stadt Deutschlands, weltweit wird sie gefeiert als Comeback-City. Fast zwölf Millionen Touristen kamen voriges Jahr, ein Rekord. Doch nun wird die neue Leichtigkeit in der geschichtsschweren Hauptstadt der Deutschen getrübt von steigender Kriminalität auf der Partymeile. Überfälle, Drogenhandel, Diebstahl, das RAW-Gelände ist zur Problemzone geworden.

Bis zu 20 000 Menschen feiern…

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Nr. 38/2015