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„Total bio, aber tödlich“

Andreas Hensel, 55, Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, hält die Sorgen vor zu viel Chemie im Essen für unbegründet. Die Gefahren lauerten an ganz anderer Stelle.

CHRISTIAN THIEL / DER SPIEGEL
von
Alexander Neubacher
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SPIEGEL: Herr Professor Hensel, im Brot lauern Schwermetalle, im Frühstücksei Dioxine, und wer zu viel Wurst isst, stirbt vielleicht an Krebs. Wird unser Essen immer gefährlicher?

Hensel: Weil wir inzwischen über eine so überaus präzise Messanalytik verfügen, scheint es vor Giften nur so zu wimmeln. Aber ich kann Sie beruhigen: Unser Essen ist sicherer als jemals zuvor.

SPIEGEL: Viele Bürger glauben, das Gegenteil sei der Fall. Seitdem kürzlich in mehreren Biersorten Spuren des Unkrautvernichters Glyphosat gefunden wurden, haben sogar Deutschlands Biertrinker Angst davor, sich zu vergiften.

Hensel: Um eine kritische Menge Glyphosat aufzunehmen, müssten Sie etwa 1000 Liter Bier trinken, und zwar täglich. Ich bezweifle, dass Sie das schaffen. Und falls doch, wäre Glyphosat wirklich Ihr geringstes Problem.

SPIEGEL: Die Aufregung ist trotzdem groß. Die Grünen-Politikerin Renate Künast forderte die Bundesregierung auf, sich in Brüssel für ein EU-weites Verbot von Glyphosat einzusetzen.

Hensel: In politische Entscheidungen mische ich mich nicht ein. Unsere Aufgabe als Bundesinstitut ist es, eine wissenschaftliche Expertise zum gesundheitlichen Risiko abzugeben.

SPIEGEL: Und die lautet?

Hensel: Glyphosat wird seit über 40 Jahren in der Landwirtschaft eingesetzt, ohne dass es…

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Nr. 11/2016