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Tod in der Pfütze

In Rotterdam gibt es die bizarrste Tiersammlung der Welt: Museumsdirektor Kees Moeliker zeigt Vögel, Nager und Insekten, die auf ungewöhnliche Weise ums Leben gekommen sind.

JULIUS SCHRANK / DER SPIEGEL
von
Frank Thadeusz
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Der Nachmittag plätscherte Richtung Feierabend, als es plötzlich an der Glasfassade des Naturhistorischen Museums Rotterdam rumste. Eine Ente war im Flug gegen eine Scheibe geklatscht. Leblos fiel sie zu Boden.

Was dann geschah, beobachtete Kees Moeliker – damals Kurator, heute Direktor des Museums – fasziniert vom Fenster aus: "Ein männlicher Artgenosse näherte sich dem Entenkadaver, um den Leichnam über eine Stunde lang zu schänden", erinnert sich der Biologe.

Spöttisch kommentiert er den bizarren Sexualakt: "Im Tierreich ist die Missionarsstellung nun einmal höchst selten."

Die tote Ente sollte sein Leben für immer verändern. Als er den Vorfall in einem wissenschaftlichen Aufsatz präsentierte ("Der erste Fall von homosexueller Nekrophilie bei der Stockente Anas platyrhynchos"), reagierte das Fachpublikum begeistert. Dem Holländer wurde sogar der "Ig-Nobelpreis" verliehen, jene satirische Variante des berühmtesten aller Forscherpreise, bei der die Vereinigung von Entdeckergeist und Humor gewürdigt wird.

Bei Vorträgen schleppte Moeliker seither meist eine Plastiktüte mit sich herum, aus der er zur Freude der Zuschauer die präparierte Unglücksente hervorkramt. Auch im Rotterdamer Museum hat sich das tote Tier längst zum Liebling der Besucher gemausert. "Wir beobachteten erstaunt, dass die Leute diese Schautafel besonders gründlich lasen", sagt Moeliker, "und dann kamen wir drauf: Es reicht nicht, dem Publikum einfach irgendwelche…

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Nr. 18/2017