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Wirtschaft

»Täuschen, Betrügen, Lügen«

Thilo Bode prangert die Macht der Konzerne an, die seiner Meinung nach die Politik beherrschen. Er sieht ein Versagen der Demokratie und setzt auf die Gegenwehr der Bürger.

HC PLAMBECK / DER SPIEGEL
von
Martin Hesse
und
Markus Dettmer
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Wirtschaft

Bode ist auch mit 71 Jahren noch ein streitlustiger Mann. Er war Geschäftsführer von Greenpeace, 2002 gründete er die Verbraucherorganisation Foodwatch. Der Ökonom aus Eching am Ammersee gilt als Deutschlands bekanntester Aktivist. Wirft man ihm Populismus vor, lächelt er milde.

SPIEGEL: Herr Bode, Sie behaupten in Ihrem neuen Buch, die Politik sei nicht mehr handlungsfähig, die repräsentative Demokratie versage, globale Konzerne hätten die Macht übernommen(*). Wie kommen Sie zu so einer steilen These?

Bode: Ich veranschauliche es am Beispiel des Klimawandels. Vor 30 Jahren haben die Energiekonzerne das Problem erkannt und selbst auf die Gefahren hingewiesen. 1988 gab es eine Anhörung im amerikanischen Senat, der Nasa-Forscher James Hansen konstatierte: Wir haben einen realen Klimawandel. Von da an haben die Öl- und Energiekonzerne den Hebel umgelegt und begonnen, systematisch Zweifel zu säen. Sie haben Forscher gekauft und Studien veröffentlicht, die das Problem zerredet haben. Ohne den Widerstand hätten die Probleme nicht das heutige Ausmaß erreicht. Die Regierungen haben nicht energisch eingegriffen.

SPIEGEL: Außer Donald Trump leugnet kaum noch jemand den Klimawandel, und die Politik hat längst begonnen umzusteuern, etwa in Deutschland.

Bode: Das macht die Sache nicht besser. Mit der Gewissheit, dass der Klimawandel menschengemacht ist, sind die Klimaabkommen schwächer geworden, von Kyoto bis Paris, wo es nur noch freiwillige Vereinbarungen…

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Nr. 34/2018