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Sturm auf die Zellfestung

Neuartige Medikamente bringen die körpereigene Abwehr dazu, den Kampf gegen Tumoren aufzunehmen. Die Immuntherapien wirken erstaunlich gut, aber bisher nur bei wenigen Krebsarten. Helfen die Mittel bald auch gegen die großen Killer?

TIM WEGNER / DER SPIEGEL
von
Veronika Hackenbroch
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In diesem Sommer feierte Petra Gundlach ihren 57. Geburtstag. Zu Hause in Grabow unweit von Schwerin gab es Kaffee und Kuchen. Ihr Lebensgefährte war da, ihre Tochter, ihre zwei Söhne, ihre Enkelkinder.

Einen Tag später, am 8. Juni, sagte ihr Arzt ihr, dass sie sterben würde. Er könne nichts mehr für sie tun.

Petra Gundlach ist niemand, der sich leicht unterkriegen lässt. "Wer den Kopf in den Sand steckt, der hat schon verloren", sagt sie. "Ich hab schon so oft unten gelegen und bin immer wieder hochgekommen."

Fast 20 Jahre lang schuftete sie in einer Medikamentenfabrik, davor in einer Möbelfabrik und einer Autofabrik. Ihr Ehemann verließ sie, sie fand eine neue Liebe.

Dann kam der Krebs. Bei einer Vorsorgeuntersuchung entdeckten Ärzte Blut im Stuhl. Bei der Darmspiegelung sah sie auf dem Monitor den Darmkrebs, einen kleinen, hellen Knubbel, der aussah wie ein Stück Fett.

Es folgten Operation und Chemotherapie, ein gutes Jahr lang schien sie auf dem Weg der Heilung zu sein. Dann wurden sechs Metastasen in der Leber entdeckt. Wieder eine große OP, ein halbes Jahr später tauchten Metastasen in der Lunge auf, eine weitere Chemotherapie, neue Mittel. Insgesamt vier Jahre dauerte ihr Kampf.

Wie ein Schlag traf es Gundlach deshalb, als ihr Arzt sagte: "Gehen Sie nach Hause, und tun Sie, was Sie in der Zeit, die Ihnen bleibt, noch tun wollen." Sie antwortete: "Wenn Sie mir nicht mehr helfen können, dann muss ich mein…

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Nr. 39/2017