Lesezeit 11 Min
Gesellschaft

"Ständig neue Reize"

Was haben Zigaretten-, Pharma- und Fernsehbranche gemeinsam? ProSiebenSat.1-Chef Thomas Ebeling über Geschäfte mit Sucht und Sehnsucht

ENNO KAPITZA / DER SPIEGEL
von
Markus Brauck
und
Isabell Hülsen
Lesezeit 11 Min
Gesellschaft

SPIEGEL: Herr Ebeling, hat das Massenmedium Fernsehen seine beste Zeit hinter sich?

Ebeling: Nein, aber das Fernsehen hat, mit Ausnahme großer Unterhaltung und großer Nachrichten, nicht mehr dieselbe Kraft wie noch vor zehn Jahren. Uns geht es da ähnlich wie der Musikindustrie: Früher gab es fünf große Labels, jetzt kann jeder dank YouTube über Nacht zum Star werden. Die Konkurrenz ist gewaltig. Wir merken, wie schwer es ist, heute noch 20 Prozent der Zuschauer zu begeistern. Wenn wir mit einer Sendung 15 Prozent schaffen, sind wir oft schon mehr als zufrieden. Andererseits: Wer außer uns schafft das überhaupt noch?

SPIEGEL: Was hat sich geändert?

Ebeling: Die Zuschauer verlangen immer stärker nach Neuem und sind extrem schnell gelangweilt; gerade junge Leute, die bei YouTube vielleicht zwei Minuten lang zugucken und beim nächsten Clip wieder weg sind. Wir schieben bei manchen Sendungen inzwischen schon den ersten Werbeblock nach hinten, damit die Leute erst mal in die Geschichte kommen.

SPIEGEL: Läuft das Fernsehen damit Gefahr, schräger, schriller und irgendwann irrelevanter zu werden?

Jetzt weiterlesen für 0,88 €
Nr. 22/2015