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Politik

Sprache der Panzer

Weil die Nato die russische Aggression fürchtet, setzt sie wieder auf Abschreckung. Aber sind höhere Rüstungsausgaben tatsächlich eine zeitgemäße Antwort auf die Krisen der Welt?

JÖRG GLÄSCHER / DER SPIEGEL
von
Konstantin von Hammerstein
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Politik

Der Mann hat keinen Namen, kein Gesicht, keine Nationalität. Man darf nicht wissen, welchen Rang er hat, ob er Soldat ist oder Zivilist, welche Sprache er spricht und ob er wirklich ein Mann ist. Das sind die Regeln.

Auf den Gängen des Brüsseler Nato-Hauptquartiers warnen große Schilder mit roter Schrift: Achtung, ab hier nicht mehr über vertrauliche Vorgänge reden. An diesem Freitagnachmittag droht keine Gefahr, so kurz vor dem Wochenende ist kaum noch einer da.

Der Nato-Mann steht auf und zeigt auf die große Landkarte in seinem Büro. Links das bunte, in kleine Flecken aufgeteilte Westeuropa, rechts der russische Koloss. Wer Geopolitik verstehen will, muss Karten studieren.

Im Kalten Krieg war die Lage so: Nato und Warschauer Pakt standen sich hochgerüstet in den beiden deutschen Staaten und der Tschechoslowakei gegenüber, entlang einer relativ kurzen Linie. Es dauerte nur wenige Stunden, Truppen von Hannover an die innerdeutsche Grenze zu verlegen.

Heute ist die Situation völlig anders. Der Nato-Mann zeigt nach oben, Nordnorwegen, dann wandert seine Hand nach rechts, Ostsee, baltische Staaten, Polen, und schließlich nach unten, Rumänien, Bulgarien, Türkei. Eine gigantische Linie vom Nordkap bis hinter Trabzon am Schwarzen Meer. Die Außengrenze der Nato. Schwer zu verteidigen.

Das Bündnis hat Aufmarschpläne vorbereitet. Für das Baltikum, falls Russland dort so vorgeht wie in der Ostukraine. Für Rumänien und Bulgarien, falls der Angriff über das Schwarze Meer kommen sollte. Für die Türkei und Nordnorwegen werden die Pläne noch entwickelt.

Norwegen? Ja, sagt der Nato-Mann. Die norwegische Regierung beobachte die russische Armee sehr genau. Die Übungen, die Truppenbewegungen, die U-Boote, die Schiffe, die Flugzeuge. In Deutschland würde davon kaum Notiz genommen.…

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Nr. 21/2017