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Wirtschaft

Spinne im Netz

Mit Cum-ex-Deals haben Banken den Fiskus um Milliarden Euro geschröpft. Nun holt sich der Staat das Geld zurück. Doch ausgerechnet in Frankfurt, dem Sitz der Deutschen Bank, verhalten sich die Steuerfahnder auffallend nachsichtig.

TIM WEGNER / DER SPIEGEL
von
Matthias Bartsch
und
Tim Bartz
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Wirtschaft

Nur wenige Orte in Hamburg verströmen noch so viel althanseatisches Flair wie die Zentrale der Privatbank M. M. Warburg. Schwarz-weißer Marmor dominiert die Eingangshalle, eine gewaltige Stahlplatte erinnert an Ex-Mitarbeiter, die in zwei Weltkriegen fürs Vaterland fielen. In den Besprechungszimmern knarzt der Holzfußboden, an den Wänden hängen Stiche und historische Seekarten, die Tradition und Weltläufigkeit signalisieren sollen.

Ende März platzten rund 50 Ermittler der Kölner Staatsanwaltschaft in die Idylle an der Binnenalster. Die Beamten durchflöhten die edlen Räumlichkeiten auf der Suche nach Beweismaterial. Die Bank wird verdächtigt, mit sogenannten Cum-ex-Aktiendeals auf Kosten der Steuerzahler Millionen verdient zu haben. Aus dem gleichen Grund hatte Warburg schon 2016 Besuch von den Fahndern bekommen.

Weitaus weniger Kontakt mit der Staatsmacht hatte bislang dagegen ausgerechnet jenes Institut, das mit Warburg enge Geschäftsbeziehungen gepflegt und jahrelang eine zentrale Rolle bei Cum-ex-Geschäften gespielt hat: die Deutsche Bank. Die Nummer eins der Frankfurter Finanzszene wird von den Ermittlungsbehörden bislang erstaunlich sanft behandelt.

Cum-ex-Geschäfte sind blitzschnelle Aktienkäufe und -verkäufe rund um den Stichtag, an dem Firmen Dividenden ausschütten. Auf die müssen Aktienbesitzer in der Regel 25 Prozent Kapitalertragsteuer zahlen, die sie sich aber bis 2013 vom Fiskus wiedererstatten lassen konnten.

Banken betrieben das Geschäft jahrelang, indem sie sich untereinander Aktien liehen und die Papiere hin und her wechselten. Durch diese…

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Nr. 22/2018