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Wirtschaft

Schokolade auf den Jungferninseln

Präsident Putin diffamiert die Panama Papers ungerührt als Machwerk der CIA. Seinem ukrainischen Amtskollegen Poroschenko hingegen könnten sie gefährlich werden.

YURI KOZYREV / DER SPIEGEL
von
Christian Neef
und
Matthias Schepp
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Wirtschaft

Zwei Tage war die Veröffentlichung der Panama Papers alt, da machte am Dienstag bei Twitter eine russische Karikatur die Runde. Zu sehen waren Präsident Wladimir Putin und Regierungschef Dmitrij Medwedew. „Islands Premier ist zurückgetreten?“, fragt Medwedew. „Ja, wegen irgendwelcher Offshore-Firmen“, antwortet Putin. Woraufhin sich beide fast totlachen. Es war eine Satire. Doch aus den Reaktionen auf das Datenleck beim panamaischen Offshore-Dienstleister Mossack Fonseca lässt sich einiges über die politische Verfasstheit der betroffenen Länder herauslesen. 

In Frankreich kündigte François Hollande sofort rechtliche Schritte an: Untersuchungen würden durchgeführt, „Verfahren eröffnet und Prozesse geführt“, versprach der Präsident. Österreich will zwei Banken überprüfen lassen; der deutsche Justizminister Heiko Maas stellte strengere Gesetze für Briefkastenfirmen in Aussicht. 

In den russischen Staatsmedien dagegen wurden die Enthüllungen verschwiegen oder kleingeredet. Russlands Wirtschaft beruht geradezu auf einem Offshore-Netzwerk, wegen mangelnder Rechtssicherheit im eigenen Land und korrupter Beamten werden jedes Jahr Milliarden ins Ausland verschoben. Wozu die Russen daran erinnern? Laut einer neuen Umfrage sind 76 Prozent von ihnen ohnehin davon überzeugt, die Machtorgane seien von oben bis unten „völlig“ oder „in bedeutendem Maße“ von Korruption befallen. 

Ganz anders fiel das Echo in der benachbarten Ukraine aus, wo Präsident Petro Poroschenko ins Visier geriet – weil er gleichzeitig Chef eines Schokoladenimperiums ist. Die Nachricht, er habe selbst Offshore-Firmen gegründet, kam zur Unzeit: Die Ukraine steckt in einer tiefen politischen Krise, jeder neue Zweifel am Wirken des Staatsoberhaupts beschädigt dessen Image. Obwohl gerade auf Japanbesuch, erkannte Poroschenko die Gefahr und kündigte noch in Tokio eine „bedeutende Reform“ für die Ukraine an: Er wolle „die…

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Nr. 15/2016