Lesezeit 7 Min
Verbrechen

„Schluss jetzt!“

Der vorbestrafte Schönheitschirurg
 Dr. Dr. Roland S. steht wegen sexuellen Missbrauchs und Vergewaltigung einer 15-Jährigen vor Gericht. 

ALEXANDER KOERNER / DER SPIEGEL
von
Julia Jüttner
Lesezeit 7 Min
Verbrechen

Dr. Dr. Roland S. sitzt auf der holzverkleideten Anklagebank in Saal 127, dem Schwurgerichtssaal, des Landgerichts Hannover, und redet. Er schweigt nicht, wie es ihm seine Verteidigerin rät, erst recht nicht, wann es ihm seine Verteidigerin rät. S. ergänzt die Erklärungen, die sie stehend und wohlformuliert vorträgt und in den letzten Wochen unzählige Male mit ihm abgesprochen hat. An fast jedem Wort hat sie gefeilt.

Immer wieder drückt Dr. Dr. Roland S. auf den kleinen Knopf an dem Mikrofon vor sich, bis das Lämpchen rot leuchtet und er im ganzen Saal zu hören ist. Er erklärt, ergänzt, betont, rechtfertigt. Er hat in seiner Zelle die Ermittlungsakte durchgearbeitet, er verweist auf Seitenzahlen, redet und redet.

Seine Verteidigerin Antje Heister signalisiert ihm, er solle seinen Monolog beenden. Erst dezent, dann harsch. „Schluss! Schluss! Schluss jetzt!“ Er schweigt. Nur einige Minuten lang. „Ich möchte gerne noch etwas ergänzen.“ Er legt wieder los.

„Nein! Nein!“ Seine Anwältin herrscht ihn an. „Es reicht!“ Sie schaltet sein Mikrofon ab. „Sie einigen sich?“, fragt der Vorsitzende Richter Ralf Busch.

Antje Heister hat ein schwieriges Mandat übernommen. Dr. Dr. Roland S., 54, hohe Stirn, Anzug, Krawatte, Lesebrille, ist intelligent und unberechenbar. Er war Schönheitschirurg, scheiterte jedoch mehrmals nach kurzer Dauer mit seinen Privatkliniken für kosmetische Chirurgie. Er war hoch verschuldet, wurde wegen zweier Kunstfehler und…

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Nr. 51/2015