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Kultur

Sag Goodbye mit Lenin

Der Kampf um die Berliner Volksbühne ist wieder entbrannt: Lässt sich der designierte Intendant Chris Dercon vom neuen Kultursenator Klaus Lederer vertreiben?

STEFFEN JAENICKE / DER SPIEGEL
von
Wolfgang Höbel
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Kultur

Auf dem Rosa-Luxemburg-Platz in Berlin steht Chris Dercon, der Novemberwind zaust seine weißen Haare, zwischen seinen Lippen klemmt eine Zigarette. In Dercons Rücken ragt der Bau der Volksbühne auf, ein paar Meter vor ihm ist ein rostiges Denkmal auf eine Rasenfläche gepflanzt, es zeigt ein Rad mit Füßen dran, das derzeitige Wahrzeichen des Theaters. "Was mich an Berlin immer wieder überrascht", sagt Dercon und blickt auf die massive Rostskulptur, "Berlin ist eine sehr fragile Stadt."

Dercon macht seine Zigarettenpause vor einem kleinen Ladenlokal am Rand des Platzes. Im Laden hat er das Vorbereitungsbüro des Teams einquartiert, mit dem er im September 2017 die Volksbühne übernehmen soll. Dercon, 58, ist ein schmaler Mann mit erstaunlich lauter Stimme, der in Belgien aufgewachsen ist und in Rotterdam, München und London tolle Museen geleitet hat. Er spricht perfekt Deutsch mit einem lustigen Akzent.

In seinem Vorbereitungsladen palavert Dercon an diesem Tag unter anderem mit dem französischen Tanztheatermacher Boris Charmatz und der dänischen Choreografin Mette Ingvartsen. Aus den Schaufenstern des Büros blickt man direkt auf die Frontseite des Theaters. Ohne einen Menschen weit und breit sieht die Volksbühne ein bisschen verlassen, sehr grau und ausgesprochen friedlich aus an diesem Nachmittag. Vergebens sucht man nach Sandsäcken, die zwischen den Säulen des Portals aufgetürmt sind, der Treppenaufgang ist durch keinerlei Geschütze gesichert – und doch…

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Nr. 49/2016