Lesezeit 6 Min
Wissen

Runderneuert

Axolotl sind imstande, abgetrennte Gliedmaßen nachwachsen zu lassen. Forscher haben das Erbgut der Zaubersalamander entschlüsselt. Könnte das zu Therapien beim Menschen führen?

FABIAN WEISS / DER SPIEGEL
von
Julia Koch
Lesezeit 6 Min
Wissen

Ein Keller im Forschungsinstitut für Molekulare Pathologie (IMP) in Wien, 3. Bezirk: Aquarium an Aquarium dümpeln Tausende bizarre Kreaturen im 18 Grad Celsius kühlen Wasser. Aus ihrem farblosen Körper ragen rötliche Kiemenäste. Ihre stets leicht geöffneten Mäuler scheinen zu grinsen. In Tanks wächst ihre Nahrung heran: winzige Salzkrebse.

Willkommen in einer der weltgrößten Axolotl-Kolonien, dem Reich von Biochemikerin Elly Tanaka. Rund 1200 erwachsene Tiere leben hier, dazu zahllose millimeterkleine Babys, die das Becken noch miteinander teilen. Später im Leben werden sie nur noch zur Fortpflanzung zusammenkommen. Herr und Frau Schwanzlurch ziehen dann für ein paar Tage in ein Separee mit schwarzem Vorhang. »Sie mögen es ruhig und dunkel«, sagt Tanaka. Sofort nach ihrem Paarungstanz werden die Tiere getrennt, sonst könnte es passieren, dass sie sich gegenseitig anknabbern.

Denn Axolotl neigen zu Kannibalismus. Weil die Tiere meist untätig in ihrem Biotop hocken, schnappen sie nach allem, was ihnen nahe genug kommt – kleine Fische, Salzkrebse oder eben auch Schwanz oder Bein eines Artgenossen.

Aber das ist nicht allzu tragisch. Ist das Bein ab, sprießt aus dem Stumpf binnen Wochen oder Monaten ein neues; so vollkommen, als wäre das ursprüngliche Körperteil nie abhandengekommen. Die Zaubersalamander haben aber nicht nur die Fähigkeit, Gliedmaßen nachwachsen zu lassen (auch bestimmte Plattwürmer können Teile ihres Körpers erneuern). Sie…

Jetzt weiterlesen für 0,82 €
Nr. 27/2018