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Politik

Risse in der Wagenburg

Der Deutsche Bauernverband stemmt sich seit Jahren mit all seiner Lobbymacht gegen eine Agrarwende. Doch viele Landwirte wollen die Probleme nicht mehr länger aussitzen.

MARCUS SIMAITIS / DER SPIEGEL
von
Antonia Schaefer
und
Michaela Schießl
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Politik

Wir wollen die Landwirtschaft verändern", versprach Bauernpräsident Joachim Rukwied im Vorfeld der Grünen Woche am Donnerstag in Berlin. So, wie er es auch schon im Jahr zuvor zugesagt hatte. Und wie er es wahrscheinlich im nächsten Jahr wiederholen wird – was am Ende aber egal ist.

Denn wenn der Präsident des Deutschen Bauernverbands (DBV) von Veränderungen spricht, wissen die Landwirte so sicher, wie sie weiter Glyphosat spritzen dürfen: Es wird sich nicht viel ändern. Zumindest nicht zu ihren Ungunsten. Dafür steht der Deutsche Bauernverband, fest wie eine deutsche Eiche. Seit Jahrzehnten.

Zu beobachten war das eindrucksvoll im November bei der europäischen Wiederzulassung des Pestizids Glyphosat: Für Außenstehende sah es kurz so aus, als würde sie scheitern. SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks votierte dagegen, Landwirtschaftsminister Christian Schmidt dafür. Laut Koalitionsraison hätte sich Deutschland in Brüssel enthalten müssen.

Doch der Minister stimmte überraschend für eine Wiederzulassung, ganz so, wie es der Bauernverband wollte. "So isser, der Schmidt", erklärte der Schmidt danach.

So oder so ähnlich waren auch seine drei Amtsvorgänger. Denn nur so kann man diesen Posten behalten.

Seit 2005 stellt die CSU den Landwirtschaftsminister, seit 2005 wird Agrarpolitik im Schulterschluss mit dem Bauernverband gemacht. Die damalige Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner soll einem Abgeordneten einmal beim Bier gestanden haben, wie die Sache läuft: "Ich tue alles, was der Bauernverband will."

Ob diese Anekdote nun stimmt oder nicht – die Verbindung vom Verband zur Politik charakterisiert…

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Nr. 4/2018