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Sport

„Richtig bumm!“

Der einstmals drittbeliebteste Sport der Deutschen ist zu einer Freakshow verkommen. In Oberhausen tritt jetzt ein Profi mit künstlicher Hüfte zu einem Kampf um die Weltmeisterschaft an. Ist die Branche noch zu retten?

MARKUS HINTZEN / DER SPIEGEL
von
Malte Müller-Michaelis
und
Gerhard Pfeil
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Sport

Für Axel Schulz ist Boxen immer noch der schönste Sport der Welt. "Zwei Leute steigen in einen Ring, kämpfen, danach haben sich alle wieder lieb. Wunderbar!"

Schulz, 49, ist im Auto unterwegs nach Frankfurt am Main zu einer Autogrammstunde. Der ehemalige Schwergewichtler stand vor elf Jahren das letzte Mal im Ring, aber die Fans haben ihn nicht vergessen. Zusammen mit Henry Maske löste Schulz den Boxboom der Neunzigerjahre aus, mit ausverkauften Hallen und Rekordquoten im Fernsehen. Obwohl er die meisten seiner großen Titelkämpfe verlor, liebte das Publikum den Riesen aus Frankfurt (Oder), weil er immer sein Bestes gab und kein Sprücheklopfer war.

Nachdem Schulz und Maske ihre Karriere beendet hatten, begann der Abstieg des deutschen Boxens. Der einstmals drittbeliebteste TV-Sport nach Fußball und Formel 1 ist heute kein Quotenbringer mehr. In einer Expertenanalyse der Onlineplattform Stadionwelt über die Zukunftsaussichten verschiedener Sportarten bekam Boxen eine ähnlich schlechte Prognose wie Hockey.

Wie konnte es so weit kommen?

"Och nee", brummt Schulz. Er hat die Ausfahrt verpasst. Er hasse es, unpünktlich zu sein. "Gehört sich nicht." In den vergangenen Jahren hat er sein Geld als Werbefigur und Kommentator verdient. Die großen Sender sind jedoch einer nach dem anderen aus dem Boxen ausgestiegen und zeigen keine Kämpfe mehr. Schulz muss sich was anderes überlegen. "Ich sehe aber nicht schwarz", sagt er. Der Boxsport habe…

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Nr. 46/2017