Lesezeit 9 Min
Mobil

Rennbahn mit Knick

Eine Neubaustrecke verkürzt die Bahnfahrt von München nach Berlin von sechs auf vier Stunden, aber das ist immer noch zu viel. Die Geschichte einer Fehlplanung.

HELENA LEA MANHARTSBERGER / DER SPIEGEL
von
Christian Wüst
Lesezeit 9 Min
Mobil

Beschaulich wird sie nicht mehr sein, die Bahnfahrt durchs südliche Thüringen, eher ein frenetisches Wechselspiel aus Rohrpost und Höhenflug. Die Hälfte der Strecke verläuft entweder unter dem Erdboden oder weit darüber.

107 Kilometer misst der neue Schienenstrang von Erfurt nach Ebensfeld in Oberfranken, 41 davon führen durch Tunnel, 12 über Brücken. 3,8 Milliarden Euro sind allein in diesen Bauabschnitt geflossen. Fast schnurgerade bohrt sich die Trasse durchs Gebirge. Die schnellsten ICE-Züge erreichen hier 300 Kilometer pro Stunde.

Die Rennbahn durch die Mitte der Republik bedeutet einen Lückenschluss von höchster verkehrspolitischer Relevanz. Mit der Eröffnung der Strecke an diesem Sonntag soll für den Bahnverkehr zwischen München und Berlin eine neue Zeitrechnung beginnen: Knapp vier Stunden wird die Reise dauern. Bisher waren es mehr als sechs.

Eckart Fricke, Bevollmächtigter der Bahn für Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, ist der zuständige Mann für die neue Trasse. Er sitzt in seinem Büro am frisch renovierten Leipziger Hauptbahnhof und spricht von der "größten Angebotsverbesserung in der Geschichte der Deutschen Bahn AG". Entsprechend groß sind seine Hoffnungen auf neue Kunden.

Bisher, sagt er, habe die Bahn im München-Berlin-Verkehr einen Marktanteil von 20 Prozent. Etwa die Hälfte der Reisenden nutzten das Flugzeug, 30 Prozent das Auto. Dieses Verhältnis soll sich nun drehen: Fricke sieht die Bahn künftig als…

Jetzt weiterlesen für 0,86 €
Nr. 50/2017