Lesezeit 10 Min
Gesellschaft

»Relikt der Rambo-Kultur«

Der Romanautor Alexander Schimmelbusch war Investmentbanker. Heute beklagt er das vulgäre Zurschaustellen von Reichtum.

GOETZ SCHLESER / DER SPIEGEL
von
Alexander Jung
und
Markus Brauck
Lesezeit 10 Min
Gesellschaft

Solche Biografien gibt es selten. Alexander Schimmelbusch hatte in London und Frankfurt als Investmentbanker bei Credit Suisse und der UBS Karriere gemacht. Heute ist er Romanautor in Berlin und verarbeitet literarisch, was er in den Topetagen der deutschen Industrie erlebt hat. In "Hochdeutschland" (Tropen; 214 Seiten; 20 Euro) gewährt Schimmelbusch, Jahrgang 1975, Sohn des früheren Spitzenmanagers Heinz Schimmelbusch, Einblick in die Abgründe des Finanzkapitalismus – und des Politpopulismus.

SPIEGEL: Herr Schimmelbusch, haben Sie schon mal eine Flasche Rotwein für 2400 Euro getrunken?

Schimmelbusch: Zumindest habe ich sie nicht selbst bezahlt.

SPIEGEL: Victor, der Protagonist in Ihrem Buch, pflegt solche Angewohnheiten. Ist Ihnen ein ähnliches Verhalten in Ihrer Zeit als Investmentbanker aufgefallen?

Schimmelbusch: Natürlich. Es ging den Kollegen dabei aber nicht ums Angeben, sondern eher um die diebische Freude daran, sich eine solche Flasche Wein tatsächlich bestellen zu können.

SPIEGEL: Warum sind Sie Investmentbanker geworden?

Schimmelbusch: Als ich 1998 in Washington mein Studium beendete, war ich 22 Jahre alt und hatte keine konkreten Pläne für die Zukunft. Zudem erlebten wir eine absolute Boomphase des Investmentbankings, sodass die Banken an den einschlägigen Universitäten sehr aggressiv rekrutierten…

Jetzt weiterlesen für 0,87 €
Nr. 19/2018