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Politik

Putins neue Garde

Eine Generation junger Spitzenbeamter soll das Land führen, wenn der Präsident abtritt. Angepasste Manager ersetzen schon jetzt die alten Gefolgsleute.

DENIS SINYAKOV / DER SPIEGEL
von
Christian Esch
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Politik

Es gibt unter russischen Städten einen alten Wettstreit, welche von ihnen sich nach Moskau und Sankt Petersburg die »dritte Hauptstadt« Russlands nennen darf. Nischni Nowgorod ist ein Kandidat, und wer die alte Handelsstadt in diesem Sommer gesehen hat, der weiß, warum. Nischni hatte sich für die Fußball-WM herausgeputzt mit einem neuen Stadion, einem Park an der Wolga, neuen Hotels, frischen Fassaden. Es ist, als wäre die Stadt aus langem Schlaf erwacht.

Am kommenden Sonntag erhält die erneuerte Stadt auch einen neuen Gouverneur. Gleb Nikitin, groß, schlank, strenger Blick durch randlose Brillengläser, ist 30 Jahre jünger als sein Vorgänger. Der war schon kommunistischer Parteifunktionär, da war Nikitin noch gar nicht geboren. Der Neue hat einen MBA-Abschluss aus New York und war mit 34 Jahren Vize-Industrieminister, er gilt als fähig und erfahren.

Er ist nur einer von vielen Spitzenbeamten, die derzeit in höchste Ämter kommen: Am 9. September werden neue Regionalchefs gewählt, die wie Gleb Nikitin den Segen des Kreml haben. Die Wahlen in über zwei Dutzend Regionen sind Teil einer systematischen Verjüngung des Gouverneurskorps, die der Kreml Ende 2016 begonnen hat. Es ist, als wollte Wladimir Putin den Stillstand kompensieren, der die Politik in der Hauptstadt lähmt.

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Russland

Dort bleibt völlig unklar,…

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Nr. 36/2018