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Politik

„Propagandistisches Meisterwerk“

Mathias Döpfner, 54, Chef des Axel-Springer-Konzerns und Präsident der Zeitungsverleger, über den Streit mit der ARD, den umstrittenen Nordkoreavergleich und die Wut auf Medien

URBAN ZINTEL / DER SPIEGEL
von
Isabell Hülsen
und
Markus Brauck
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Politik

Verlage und öffentlich-rechtliche Sender streiten sich seit Jahren darum, was ARD und ZDF im Internet dürfen und was nicht. Die Verlage fürchten, dass die Leser kein Geld für Journalismus im Netz ausgeben, solange ARD und ZDF online und in ihren Apps nicht nur Videos und Filme, sondern auch lange Texte anbieten – kostenlos. ARD und ZDF dagegen fürchten, dass sie junge Nutzer verlieren, wenn sie sich im Netz nicht ausbreiten können. In den vergangenen Monaten ist der Ton deutlich schriller geworden.

SPIEGEL: Herr Döpfner, sind ARD und ZDF die Freunde oder die Feinde der Zeitungsverlage?

Döpfner: Eigentlich sind wir Alliierte. Aber statt den Status des Verbündeten zu pflegen, hat die ARD einen aus meiner Sicht völlig fehlgeleiteten Ehrgeiz entwickelt, zum digitalen Zeitungsverleger zu werden und die Vielfalt der privaten Verlage zu bedrohen. Das ist schade und unnötig.

SPIEGEL: Seit Jahren debattieren die Verlage mit ARD und ZDF darüber, was die Öffentlich-Rechtlichen im Internet dürfen und was nicht. Nun ist daraus ein veritabler Meinungskrieg geworden. Warum eigentlich?

Döpfner: Wir hatten Anfang 2012 eine Einigung mit den Öffentlich-Rechtlichen. Die wurde von den Intendanten aber nicht umgesetzt. Das hat uns extrem enttäuscht. Wir Verlage haben uns danach fünf Jahre lang hinhalten lassen, weil wir gedacht haben, wir fänden noch einen Weg. In immer neuen Runden haben wir darüber verhandelt, dass der Textanteil auf den Websites von ARD und ZDF reduziert werden muss. Wir waren alle sicher, diesmal klappt es, die ARD will es auch. Und dann kamen die ARD-Intendanten im Februar und sagten: Nö, wir haben uns das rechtlich noch mal angeguckt. Wir müssen gar keine Zugeständnisse machen. Da war endgültig klar, es gibt auf dieser Basis keine Einigung.

SPIEGEL: Sie haben die ARD mit Nordkorea verglichen. Bereuen Sie das?

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Nr. 50/2017