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Pling!

Eine neue Ära der Mobilität hat begonnen: Wir teilen uns das Steuer mit einem Computer. Befreien uns clevere Assistenten nun von der Arbeit des Fahrens? Oder nerven sie mehr, als sie nützen? Zeit für einen – nicht ganz ungefährlichen – Selbstversuch.

JON FRICKEY FÜR DEN SPIEGEL
von
Manfred Dworschak
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Ich war auf alles gefasst. Deshalb dauerte es ein paar Stunden, bis etwas geschah, das mich wirklich erschreckte. Am Abend des ersten Tages drängte mein Auto plötzlich von der Straße, es lenkte energisch nach rechts. Richtung Graben.

Am Steuer des BMW war der Computer. Bislang hatte er, ausgestattet mit Kameras und Radarsensoren, ganz ordentlich gelenkt. Aber plötzlich glaubte mein Kopilot, er müsse quer über die Wiese pflügen.

Wir fuhren auf einer gut ausgebauten Landstraße in Bayern dahin; ich hatte gerade begonnen, mich auf den Wagen zu verlassen – und nun das. Was für ein befremdlicher Fehler!

Gut, dass ich nicht von einem quengelnden Kind auf der Rückbank abgelenkt war.

Es sollte nicht der letzte Vorfall auf dieser wundersamen Reise bleiben: sechs Tage auf deutschen Straßen, der Reihe nach mit drei verschiedenen Autos. Ich wollte einen Blick in die Zukunft tun.

Eines Tages, so heißt es, fährt der Computer ganz ohne unser Zutun. Das kann freilich noch dauern. Bis dahin hilft er nur mit, die Hoheit bleibt beim Fahrer. Diesem steht dabei aber eine zügig wachsende Schar von Assistenten zur Seite. Meine drei Autos – ein BMW, ein Audi, ein Mercedes – boten alles, was derzeit an Hilfstechnik zu kaufen ist. Sie können halbwegs selbstständig der Fahrspur folgen, Abstand halten und auf die Überholspur wechseln. Sogar automatische Gesetzestreue haben sie eingebaut; auf Wunsch befolgen sie jedes Tempolimit.

Eine neue Phase der Mobilität hat begonnen: Wir teilen uns das Steuer mit dem Computer. Zeit also für einen Selbstversuch: Wie intelligent zeigt sich die Maschine? Ist sie eine Hilfe? Und passen wir überhaupt zusammen?

Der Computer und ich, wir fuhren über kurvige Mittelgebirgsstraßen und durch enge Fachwerkstädtchen, auch bei Nacht, auch bei grellem Gegenlicht – Umstände, unter denen der Kopilot oft schwer zu kämpfen hatte. Die meiste Zeit jedoch ging es über Autobahnen und gut ausgebaute Bundesstraßen.…

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Nr. 20/2017