Lesezeit 10 Min
Gesellschaft

"Platz nicht so toll! Aber bezahlbar"

Wer mit einer Baugemeinschaft ein Haus plant, darf eines nicht haben: eine Ahnung davon, was auf ihn zukommt. Ein Erfolgsbericht – nach sechs Jahren.

JOHANNES ARLT / DER SPIEGEL
von
Marianne Wellershoff
Lesezeit 10 Min
Gesellschaft

Von unserem Balkon in der HafenCity kann ich das weiße Unilever-Gebäude und den Marco-Polo-Tower mit seinen geschwungenen Balkonen sehen, das Ensemble ähnelt den Kreuzfahrtschiffen, die am Terminal davor festmachen, der "AIDAsol" oder der "Europa 2". Ich sehe die Elbe, die Köhlbrandbrücke und ganz weit weg, grau und unscharf, die Harburger Berge. Ein großartiges Bild.

Wenn ich aber direkt nach unten schaue, dann blicke ich in eine Baustelle. Stahlgitter, Stahlstäbe, Verschalungselemente. Es wird gehämmert, gemessen, geschleppt, und in der Mitte lagern die Baumstämme, auf denen irgendwann die Kinder im Innenhof herumklettern sollen.

Ungefähr so ist es auch mit einer Baugemeinschaft: Die Aussicht ist großartig, der Alltag dagegen mühselig und häufig chaotisch. Am Anfang steht die Vorstellung, eine tolle Wohnung zu bekommen, individuell zugeschnitten, in einem selbst geplanten Haus, sehr preisgünstig, mit einer supernetten Hausgemeinschaft, in der alle immer füreinander da sind, lauter gefühlte Superlative.

Aber bis dahin, so stellte sich leider heraus, ist das Leben eine Großbaustelle. Mit einer Baugruppe ein Haus von 70 Einheiten zu planen und zu bauen setzt vor allem eines voraus: keine Ahnung zu haben von dem, was da auf einen zukommt.

"Platz ist nicht so toll! Aber bezahlbar, stadtnah. Sicher keine Idylle, aber Haus mit sozialem Netzwerk." Dieser Eintrag in meinem Notizbuch stammt vom Ende 2010, als wir zum zweiten Treffen der…

Jetzt weiterlesen für 0,87 €
Nr. 49/2016