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Wirtschaft

Operation gelungen – Land stirbt

Am 20. August läuft das dritte Hilfsprogramm aus, das Schuldendrama hat erst einmal ein Ende. Tatsächlich beginnen viele der Reformen zu greifen. Die Wirtschaft wächst trotzdem nicht wie gewünscht.

DIMITRIS MICHALAKIS / DER SPIEGEL
von
Giorgos Christides
und
Tobias Rapp
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Wirtschaft

Die Schule des griechischen Dörfchens Kerasochori sieht aus wie die Kulisse eines Katastrophenfilms. Alles ist noch da, die Tafel, die Mathematikbücher, Tische und Stühle, die Sportsachen, die Griechenlandkarte an der Wand, sogar die Klassenbücher stehen noch in einer Ecke. Über allem liegt eine Schicht Staub. Um die 20 Mädchen und Jungs haben hier einmal gelernt, vor zwölf Jahren wurde die Schule geschlossen. Da fing es an. Es gab nicht mehr genügend Familien in Kerasochori.

Konstantina Kalli, 34, hat die Tür aufgeschlossen und steht ratlos in den Trümmern der Vergangenheit. »Wer geht, kommt nicht wieder«, sagt sie. »Das Dorf schrumpft.«

Kalli ist die Hoffnung von Kerasochori. Sie hat eine dreijährige Tochter und ist im sechsten Monat schwanger, mit einem Mädchen. Doch schon die Geburt wird schwierig. Es gibt keine Klinik in der Nähe, für alle Untersuchungen musste sie nach Athen fahren, fünf Stunden mit dem Auto über viele kurvige Bergstraßen. Kerasochori hat auch keine Kinderbetreuung. Die nächste Schule ist im Nachbardorf – so lange es genügend Kinder für sie gibt.

Kalli arbeitet für die Gemeinde, den größten Arbeitgeber in Kerasochori. Gemeinsam mit zwei Kollegen, einem Bürgermeister, einem Priester und einem Polizisten verwaltet sie den Bezirk. Rund hundert Menschen leben noch hier im Dorf, die meisten von ihnen sind Rentner. Das Durchschnittseinkommen liegt bei etwa 300 Euro. Arbeit gibt es so gut wie keine, die Haupteinnahmequellen…

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Nr. 33/2018