Lesezeit 11 Min
Politik

Ohne Zweifel

Alexander Gauland war ein klassischer Bürger, weltoffen und staatstragend. Heute erklärt er die Kanzlerin zur »Diktatorin« und warnt vor dem »Bevölkerungsaustausch«. Wie konnte es dazu kommen?

DOMINIK BUTZMANN / DER SPIEGEL
von
Melanie Amann
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Politik

Der Mann auf dem Fahrrad fährt an Alexander Gauland vorbei, als der gerade aus dem Restaurant auf den Bürgersteig tritt. Der Radler erkennt den AfD-Mann, bremst und kehrt um. »Sind Sie Herr Gauland?«

»Ja«, sagt Gauland vorsichtig. Das ist wohl kein AfD-Wähler: Vollbart, schwarze Wollmütze, verwaschene Jeans, mit zwei Kleinkindern im Fahrradanhänger.

»Ich finde das nicht gut, was Sie machen«, sagt der Mann. »Ehrlich gesagt machen Sie mir Angst.«

»Wie?«, fragt Gauland. »Ich mache Ihnen Angst?« Er lacht kopfschüttelnd.

Der Mann sagt, er sorge sich um seine Kinder. Er habe das Gefühl, die Demokratie gehe kaputt, wegen der AfD. Der Nationalismus kehre zurück nach Deutschland. »François Mitterrand hat einmal gesagt, Nationalismus bedeutet Krieg. Davor habe ich wirklich Angst.«

Gauland zieht seinen blauen Mantel enger um sich, tritt von einem Bein aufs andere. So sei es ja nun nicht, sagt er säuerlich. »Diese Bundesregierung verändert unser Land. Und Ihre Kinder werden das eines Tages ausbaden.«

Aber der Mann ist noch nicht fertig, er spricht immer schneller, jetzt über die Europäische Union, dieses Friedensprojekt, das von der AfD kaputt geredet werde. Warum nur?

»Friedlich zusammenleben, dagegen hat ja niemand was«, brummt Gauland. Aber dafür brauche man Brüssel doch nicht.

Es ist keine angenehme Begegnung für Gauland. Hier pöbelt kein aggressiver Antifa-Aktivist, hier spricht ein Familienvater, der Mitterrand zitieren kann.

Gauland war einmal eine Stütze des Systems, Staatssekretär,…

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Nr. 15/2018