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Politik

Objekt fremder Mächte

Wenn Europäer auf der Flugverbotsliste der USA landen, haben sie kaum eine Chance, sich zu wehren. Ein Ehepaar aus Stuttgart musste erleben, was das bedeutet.

JULIAN RETTIG / DER SPIEGEL
von
Katrin Elger
,
Dietmar Hipp
und
Martin Knobbe
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Politik

Karina Marnissi und ihr Mann Isam hatten sich sehr auf ihren Kubaurlaub gefreut. Sie wollten weit weg, in die Karibik, entspannen unter Palmen und den Charme Havannas genießen. Am 20. Juli waren sie mit Tickets und Visa in der Tasche aus Stuttgart zum Münchner Flughafen gefahren, eingecheckt hatten sie schon. Am Eurowings-Schalter wollten sie nun ihr Gepäck für den Flug nach Varadero aufgeben. Doch die beiden sollten das Flugzeug nie betreten.

Als sie an den Schalter gekommen seien, habe ein Zettel neben der Tastatur der Eurowings-Mitarbeiterin gelegen. Darauf seien handschriftlich ihre beiden Namen notiert gewesen, erzählt Isam Marnissi, der Deutscher ist und tunesische Wurzeln hat. »Da dachten wir uns schon, o je, da stimmt was nicht.« Sie hätten ihre Pässe überreicht, und die Frau am Schalter habe irgendjemanden angerufen und ihre Daten durchgegeben.

Ob sie Waffen im Gepäck hätten, habe sie zwischendurch gefragt. »Natürlich hatten wir das nicht«, sagt Marnissi. »Eine absurde Vorstellung.« Trotzdem hatte die Eurowings-Mitarbeiterin keine guten Nachrichten für das Paar. Die Vereinigten Staaten untersagten es den Marnissis, die Reise anzutreten. Ein Flug nach Kuba durchquere auch den US-Luftraum.

Wie bitte, fragten sich die beiden. Dürfen die Vereinigten Staaten zwei Deutschen verbieten, Urlaub in der Karibik zu machen? Zufriedenstellende Antworten bekamen sie bis heute nicht. Weder von der Fluggesellschaft Eurowings noch von einer anderen…

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Nr. 36/2018