Lesezeit 12 Min
Kultur

»Nicht mehr erwünscht«

Der Kurator Okwui Enwezor über seinen Rückzug aus dem Haus der Kunst in München, seine schwere Krankheit und die neue deutsche Feindseligkeit

SLAVICA / DER SPIEGEL
von
Ulrike Knöfel
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Kultur

Enwezor, 1963 in Nigeria geboren, gehört zu den bekanntesten Ausstellungsmachern der Welt. Er leitete die Documenta und die Biennale von Venedig. Von 2011 an war er Direktor des Münchner Hauses der Kunst, im Juni hat er dort einen Auflösungsvertrag unterzeichnet, drei Jahre vor dem eigentlichen Ende seiner Amtszeit.

SPIEGEL: Herr Enwezor, die Bayerische Staatsregierung hat die Trennung von Ihnen mit Ihren gesundheitlichen Problemen begründet. Wie geht es Ihnen?

Enwezor: Ich fühle mich ganz in Ordnung. Es ist für mich ungewohnt, darüber zu reden, aber ich kämpfe seit mehr als drei Jahren mit meiner Krebskrankheit. Doch ich bin immer noch optimistisch und voller Hoffnung. Es gibt fast nichts, was medizinisch nicht bei mir versucht wird.

SPIEGEL: Wenn man krank ist, wird man üblicherweise krankgeschrieben. Wollten Sie das Haus der Kunst wirklich verlassen, oder wurden Sie von der Landesregierung dazu gedrängt?

Enwezor: Über alle Details dieser Trennung kann ich nicht reden. Ich hatte schon 2016, als meine Vertragsverlängerung anstand, überlegt, ob ich nicht besser aufhören sollte. Damals war ich mir dann aber sicher, weitere fünf Jahre trotz meiner Krankheit bewältigen zu können. Ich wollte noch so viel erreichen in München. Doch dann verschlechterte sich mein Gesundheitszustand, ich hatte einen Rückfall. Das hat mich wirklich umgeworfen. Aber selbst wenn ich gesünder gewesen wäre, hätte mir wohl die Perspektive in München gefehlt. Denn, ja, ich bekam den Eindruck, nicht mehr erwünscht zu sein. Wissen Sie, man braucht als Direktor einer solchen…

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Nr. 34/2018