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Mutterseelenallein

Psychisch kranke Frauen brauchen in der Schwangerschaft gute Betreuung. Doch viele Ärzte sind überfordert und lehnen Medikamente ab – ein gefährlicher Rat.

FRIEDEL AMMANN / DER SPIEGEL
von
Katrin Elger
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Es gab Tage in Elke Neumanns Leben, da fehlte ihr die Kraft für alles. Sie schaffte es nicht einmal mehr, die Wäsche aufzuhängen oder Kartoffeln zu kochen. Ihr Baby schrie, und Neumann saß einfach nur in ihrer Hamburger Wohnung und starrte ins Nichts. "Für andere Menschen ist das schwer nachzuvollziehen", sagt sie, "aber wenn einem zu allem der Antrieb fehlt, das ist die Hölle."

Die Kostümbildnerin hatte zwar auch in ihrer Jugend mit melancholischen Stimmungen zu kämpfen gehabt. "Ich habe das aber immer irgendwie wieder hinbekommen. Lange Gespräche mit Freundinnen, etwas Schönes unternehmen, das hat geholfen", sagt Neumann, hellbraunes, schulterlanges Haar, dunkle Stimme. Erst die Geburt ihrer ersten Tochter änderte alles. Der Babyblues wuchs sich zu einer bedrohlichen Depression aus. Zu lange erkannten weder der Frauenarzt noch die Hebamme, was mit der 32-Jährigen los war; die Krankheit wurde chronisch.

Elke Neumann kam nur mit einem Psychopharmakon gut über den Tag. Immer wieder hatte sie schlechte Phasen. "Das war alles so schlimm", sagt sie. "Ich habe immer von einer großen Familie geträumt." Ihre Tochter sollte kein Einzelkind bleiben, nur weil die Mutter psychisch krank war.

Doch durfte sie mit ihrem Seelenleiden überhaupt wieder schwanger werden? Würde sie durch die Medikamente Fehlbildungen beim Kind riskieren? Wie aber würde sie selbst damit fertigwerden, wenn sie die Tabletten absetzte?

Ihr Medikament Opipramol durfte laut…

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Nr. 36/2016