Lesezeit 11 Min
Wissen

Müll rein, Müll raus

Das perfekte Medikament, die wirksamste Therapie, Gesundheit à la carte – in den USA soll eine monumentale Studie den Weg in die Zukunft der Heilkunst ebnen. Doch schon prophezeien Kritiker das Scheitern des Megaprojekts.

JASON GROW / DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
Lesezeit 11 Min
Wissen

Eric Dishman lebt. Das ist die wichtigste Qualifikation, die ihn auszeichnet, eines der ehrgeizigsten Medizinprojekte Amerikas zu leiten.

Denn dass Dishman lebt, grenzt an ein Wunder. Ein Wunder, das er seinem unbedingten Lebenswillen und ebenjener Art von Medizin verdankt, die er nun als hochrangiger Gesundheitsmanager vorantreiben soll: der "Präzisionsmedizin".

Dishman kann sich noch gut erinnern, wie ihn vor 27 Jahren der Mut verließ, als sechs Ärzte auf einmal zu ihm ins Wartezimmer kamen. Er war Collegestudent und wegen seiner Nierenprobleme zur Untersuchung in einer Klinik. Nun eröffneten ihm die Mediziner, wie es um ihn stand: Er leide unter zwei seltenen Nierenleiden, sein Immunsystem sei von krebsartigen Zellen befallen. Unheilbar, so das Verdikt der Ärzte, selbst eine Transplantation komme nicht infrage. "Sie gaben mir noch zwei, drei Jahre", sagt Dishman.

Es kam anders. Eine Freundin appellierte an Dishman, sich nicht aufzugeben. Diese Art von Krankheiten befalle sonst 70- oder 80-Jährige. Er aber sei Anfang zwanzig. "Die Ärzte wissen nichts über dich", sagte sie. "Wach auf! Nimm deine Gesundheit selbst in die Hand!"

23 Jahre lang trotzte Dishman seinem Schicksal, immer neuen Behandlungen unterzog er sich in dieser Zeit. Dann analysierten Experten das Erbgut der Krebszellen in seinem Körper und stellten fest, dass die Mutationen denjenigen in bestimmten Tumoren der Bauchspeicheldrüse glichen. Und gegen diese gab es ein…

Jetzt weiterlesen für 0,88 €
Nr. 32/2016