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Mission in den Wolken

Das Meereis taut, es schwinden die Gletscher – die Arktis erwärmt sich schnell. Viel zu schnell. Eine Expedition deutscher Forscher soll jetzt das Rätsel der großen Schmelze lösen.

von
Marco Evers
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Spitzbergen in der Arktis, ein zerklüftetes Inselreich aus Fels und Eis, 1300 Kilometer vor dem Nordpol. Kurz hinter dem 78. Breitengrad liegt Longyearbyen, das nördlichste Städtchen des Planeten. Etwa 2150 Seelen leben hier dauerhaft. Sie haben fast alles, was sie brauchen: einen Flughafen, Straßen, ein Kohlekraftwerk, ein Krankenhaus, einen Kindergarten, eine Universität, schnelles Internet und eine Brauerei.

Es gibt auch Restaurants, Hotels, einen Supermarkt, zwei Zeitungen und derzeit jeden Tag 24 Stunden lang pralles Tageslicht.

Nur eines fehlt: ein Friedhof. Für Erdgräber ist es hier im Permafrost zu kalt.

Doch das ändert sich. Die Jahresdurchschnittstemperatur der Luft in Longyearbyen liegt inzwischen bei minus 0,4 Grad Celsius. Es wird nicht mehr lange dauern, bis es warm genug wird, Erde auszuheben. Oder bis die Stelzen, auf denen hier die Häuser stehen, im Matsch versinken.

Die globale Erwärmung mag anderswo abstrakt erscheinen, weit, weit weg, Spitzbergen aber ist der Ground Zero des Klimawandels. Hier schreitet er schneller voran als anderswo, hier zeigt sich früh, was die globale Erwärmung bedeuten kann. "Seit November 2010 ist jeder einzelne Monat außergewöhnlich warm", sagt Kim Holmén, Direktor am Norwegischen Polarinstitut. "Wir sehen Veränderungen, wo immer wir hinschauen."

Der Fjord vor Longyearbyen friert nicht mehr zu. Neuerdings schwimmen Lachse und selbst Makrelen darin. Narwale indes sind nach Norden…

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Nr. 24/2017