Lesezeit 17 Min
Politik

"Merkel hat Verdienste"

SPD-Chef Sigmar Gabriel über den Wahlkampf, den Umgang mit Hasspredigern und warum die Genossen auch mal das "Dschungelcamp" einschalten sollten

CHRISTIAN BURKERT / DER SPIEGEL
von
Sven Böll
,
Klaus Brinkbäumer
und
Michael Sauga
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Politik

SPIEGEL: Herr Minister, Sie sehen fit und gesund aus; dabei waren Sie vor Weihnachten drei Tage im Krankenhaus. Wie geht es Ihnen?

Gabriel: Sehr gut. Danke der Nachfrage.

SPIEGEL: Es ist seit Langem bekannt, dass Sie an Diabetes leiden. Die "Bild"-Zeitung schreibt, Sie hätten sich deshalb den Magen verkleinern lassen. Hat die Öffentlichkeit nicht das Recht zu erfahren, wie es dem Vizekanzler geht?

Gabriel: Die Öffentlichkeit hat natürlich das Recht zu erfahren, ob man gesund und in der Lage ist, sein öffentliches Amt auszuüben. Aber abgesehen davon, dass in dem von Ihnen zitierten Zeitungsbericht ziemlich viel Unsinn behauptet wurde, haben Politiker den gleichen Anspruch auf Schutz ihrer Persönlichkeitssphäre wie jeder andere auch.

SPIEGEL: Die Bürger sind nun mal an Ihrem Gesundheitszustand interessiert; schließlich haben Sie sich einiges vorgenommen. Sie wollen die SPD zu einem Sieg bei der Bundestagswahl im Herbst führen, obwohl Ihre Partei in den Umfragen um rund 15 Prozentpunkte hinter Kanzlerin Merkel und der Union liegt. Das hört sich nach einer Mission Impossible an.

Gabriel: Wir merken doch alle, wie viel politisch in Bewegung ist. Am Ende wird es darum gehen, welcher politischen Kraft zugetraut wird, das Land besser in die Zukunft zu führen. Und da haben CDU und CSU eigentlich nur Streit zu bieten. Auch wenn Angela Merkel große Verdienste hat.

SPIEGEL: Das klingt jetzt einigermaßen überraschend für einen Parteichef, dessen Aufgabe darin besteht, Merkel im kommenden Herbst aus dem Amt zu jagen. An welche Verdienste denken Sie?

Gabriel: Auch wenn man im politischen Wettbewerb steht, darf man sich doch respektieren. Nehmen Sie die Krise in der Ukraine. Dort haben Angela Merkel und der französische Präsident François Hollande stellvertretend für ganz Europa zur Befriedung beigetragen. Ich halte deshalb wenig davon, im Wahlkampf so zu tun, als hätte sie alles falsch gemacht.

SPIEGEL: Wie wollen Sie dann die Deutschen davon überzeugen, dass sie abgelöst werden muss?

Gabriel: Indem wir nicht über Angela…

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Nr. 2/2017