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Wirtschaft

„Manchmal braucht es einen Schubs“

Der neue Chef der Bundesagentur für Arbeit, Detlef Scheele, 60, über Kinder aus Hartz-IV-Familien, den Sinn von Qualifizierung und seine Idee der „fürsorglichen Belagerung“

HC PLAMBECK / DER SPIEGEL
von
Markus Dettmer
und
Cornelia Schmergal
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Wirtschaft

SPIEGEL: Herr Scheele, aus Ihrem Munde wurden in der Vergangenheit ungewöhnliche Redebeiträge überliefert – wie etwa "Himmel, Arsch und Zwirn" oder "totaler Mist". Müssen wir uns auf einen neuen Ton an der Spitze der Bundesagentur für Arbeit (BA) einstellen?

Scheele: Müssen Sie nicht. Das erste Zitat stammt aus meiner Zeit im Hamburger Senat, solche Parlamentsdebatten unterliegen ja völlig anderen Gesetzmäßigkeiten. Da ging jemand von der AfD ans Mikrofon und hat schreckliche Dinge über Flüchtlinge gesagt. Da hab ich den Fraktionsvorsitzenden der SPD gefragt, ob ich noch mal ans Rednerpult darf. Der meinte: Wenn du dich kontrollieren kannst, dann ja.

SPIEGEL: Können Sie sich denn gut kontrollieren?

Scheele: Im Rahmen meiner Möglichkeiten. Ich habe also gesagt: "Himmel, Arsch und Zwirn. Gucken Sie doch mal im Fernsehen, wie es in Aleppo aussieht, die Leute kommen doch nicht hierher, um sich ihre Taschen zu füllen." So was hatte der Mann von der AfD jedenfalls behauptet. Irgendwie ist mein Ausbruch in Erinnerung geblieben. Zu meiner Verabschiedung als Sozialsenator hat mir die damalige Landespastorin einen großen Kuchen geschenkt. Was glauben Sie, was da draufstand?

SPIEGEL: Himmel, Arsch und Zwirn?

Scheele: Treffer. Vielleicht ist mein Sprachgebrauch manchmal ungewöhnlich, aber es geht ja vor allem um die Haltung, die man transportiert.

SPIEGEL: Sie treten an diesem Samstag Ihr Amt als neuer Vorstandsvorsitzender der Bundesagentur für Arbeit an. Müssen Sie sich als Chef von Deutschlands größter Behörde verbal bremsen?

Scheele: Ich bin ja schon vor anderthalb Jahren als einfaches Mitglied in…

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Nr. 14/2017