Lesezeit 8 Min
Politik

„Man muss nicht jedem gefallen“

SPD-Parteivize Ralf Stegner, 57, über schlechte Bilder in der Politik und seine persönliche Verantwortung an den jüngsten Niederlagen bei den Landtagswahlen

HERMANN BREDEHORST / DER SPIEGEL
von
Marc Hujer
und
Michael Sauga
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Politik

SPIEGEL: Herr Stegner, wissen Sie, was ein "Resting Bitch Face" ist?

Stegner: Ich weiß es nicht, aber ahne, was es sein könnte. Klingt jedenfalls frauenverachtend.

SPIEGEL: So nennt man in Amerika Menschen, die für ihren übellaunigen Gesichtsausdruck bekannt sind. Manche sagen, Sie seien das Resting Bitch Face der SPD.

Stegner: "Manche" – oder sagen Sie das? Das ist mindestens eine maßlose Übertreibung. Aber ich bin jemand, der Politik voller Leidenschaft betreibt. Schauspielerei ist dagegen meine Sache nicht. Manchmal spiegelt sich eine harte Niederlage wie in NRW eben in meinem Gesichtsausdruck. Über alles weglächeln können andere besser.

SPIEGEL: Mit anderen Worten: Wenn es eine Niederlage gibt, legen Sie auch mit Lust ein Niederlagengesicht auf?

Stegner: Quatsch. Aber auch Authentizität ist eine harte Währung in der Politik. Ich glaube, die Menschen stößt es eher ab, wenn hinter hohler Inszenierung nichts steckt – wie bei US-Präsident Trump. Ich finde Politiker faszinierend, bei denen sofort die Kinnmuskulatur nach oben geht, wenn eine Kamera läuft. Ich habe andere Qualitäten. Aber häufiger zu lächeln würde sicherlich auch nicht schaden.

SPIEGEL: Haben Sie es mal versucht?

Stegner: Also, wenn ich mich mit Bürgern unterhalte, höre ich oft: Sie sind ja viel netter,…

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Nr. 25/2017