Lesezeit 12 Min
Gesellschaft

Mama allein zu Haus

Wenn erwachsene Kinder nicht ausziehen wollen, liegt das nicht nur an unselbstständigen Nesthockern: Manche Eltern fürchten die Trennung.

WERNER SCHUERING / DER SPIEGEL
von
Katja Thimm
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Gesellschaft

Ein Traum, ein Albtraum von Familie: Mama, Papa und das Wunschkind – so süß, dass die Eltern ihm bald nach der Geburt ins Ohr raunen, es könne ewig bei ihnen bleiben. Und dann droht genau das: Der Sohn, inzwischen Doktorand der Sinologie, wohnt mit 28 Jahren immer noch zu Hause. Als er schließlich widerstrebend auszieht, kehrt er wenig später zurück – ein Nervenbündel, gescheitert am wahren Leben ohne Mama und Papa.

"Der Nesthocker" heißt die Kinokomödie, die vor 16 Jahren mit den Mitteln der Komik jene Frage stellte, die längst auch Therapeuten, Entwicklungspsychologen und Erziehungswissenschaftler ernsthaft beschäftigt. Was bloß hält so viele junge Erwachsene im elterlichen Haushalt – obwohl sie doch schon lange eigenständig leben könnten? Das Thema sei ein Dauerbrenner ihrer Generation, meint auch die 21-jährige Marie Unverzagt, die am Ende einer fast zwei Jahre andauernden Weltreise wieder bei ihrer Mutter eingezogen ist (siehe Gespräch rechts). "Vielen meiner Freundinnen fällt es ebenfalls extrem schwer zu gehen."

2,73 Millionen der 20- bis 39-Jährigen in Deutschland sind Statistiken zufolge Nesthocker, auch jede fünfte Studentin und jeder vierte Student. Die jungen Männer sind ohnehin sesshafter; sogar unter den 40-Jährigen finden sich, so die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, vier Prozent, die noch bei den Eltern leben – im Vergleich zu einem Prozent Frauen. Steigende Mieten, lange Ausbildungszeiten und unsichere Berufseinstiege erschweren die eigene Haushaltsgründung; der Übergang ins Erwachsenendasein dauert länger als in früheren Generationen. Seit 1980 hat sich die Zahl der zu Hause lebenden volljährigen Kinder…

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Nr. 11/2017