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Gesellschaft

„Männer radikalisieren sich“

Wie umgehen mit der AfD? Der Historiker Frank Bösch erklärt, warum ein Rechtsruck der CDU nichts brächte – und ohnehin an den Frauen scheitern würde.

WERNER SCHUERING / DER SPIEGEL
von
Klaus Wiegrefe
und
Martin Doerry
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Gesellschaft

Bösch, 48, ist Direktor des Zentrums für Zeithistorische Forschung in Potsdam und Professor für Europäische Geschichte des 20. Jahrhunderts an der dortigen Universität. Er hat das Standardwerk "Die Adenauer-CDU" (DVA) verfasst.

SPIEGEL: Herr Professor Bösch, in der Union mehren sich Stimmen, die einen konservativen Kurs propagieren, um die AfD zu bekämpfen. Hätte eine solche Strategie Erfolg?

Bösch: Es gibt da keinen Automatismus. Der historische und der internationale Vergleich zeigen: Wenn bürgerliche Parteien einen Rechtskurs einschlagen, werden rechte Randparteien meist größer und verschwinden keineswegs.

SPIEGEL: Vom langjährigen CSU-Chef Franz Josef Strauß stammt der legendäre Satz, rechts von der CSU dürfe sich keine demokratisch legitimierte Partei etablieren. Bis zur vergangenen Bundestagswahl hat das doch geklappt.

Bösch: Das ist eine Legende. Es sind wellenartig immer wieder rechte Parteien aufgetreten, obwohl CDU und CSU früher deutlich konservativer waren als heute. In der Ära Adenauer saßen die Deutsche Partei und die Vertriebenenpartei BHE sogar in Bundesregierung und Bundestag, in den Sechzigerjahren zog die NPD in Landtage ein, und in der Zeit Helmut Kohls kamen die Republikaner nach vorn. Die Behauptung, die CDU/CSU könne mit rechter Programmatik das Aufkommen solcher Parteien unterbinden, lässt sich aus der Geschichte nicht herleiten.

SPIEGEL: Immerhin konnte keine dieser Parteien sich auf Dauer behaupten. Wie hat die Union das…

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Nr. 11/2018