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Made in Brandenburg

Fliegen- und Käferlarven enthalten viel Fett und Eiweiß, sie sind pflegeleicht und gut zu züchten. Mit ihnen ließen sich die Nutztiere der Welt ernähren, Menschen eigentlich auch. Eklig?

CARSTEN KOALL / DER SPIEGEL
von
Philip Bethge
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Das Nutztier der Zukunft ist nur zwei Zentimeter lang und kaum 0,3 Gramm schwer. Seine Färbung ist weißlich, der Körperbau schlicht. Nach zwölf Tagen ist es ausgewachsen und damit reif für den Massentransport in den Kältetod – im Gefrierschrank verendet die Kreatur.

"Sehen Sie, das hier ist ein richtig schönes fettes Exemplar", sagt Heinrich Katz und hält das Tier zwischen Daumen und Zeigefinger in die Höhe. Die Fliegenlarve windet sich. Es drängt sie zurück in die Schublade voller Roggenschrot, in der sie eben noch schmauste wie im Paradies, Seit an Seit mit unzähligen Artgenossen. Mit beiden Händen greift Katz nun beherzt zu und präsentiert einen ganzen Klumpen zuckende Insektenbrut. Dann lässt er die Tiere durch die Finger in die Mastanlage zurückrieseln.

Heinrich Katz züchtet Maden, und zwar Millionen davon, je feister, desto besser. 50 Tonnen bräunliches Madenmehl verlassen jedes Jahr die Produktionshalle der Hermetia Deutschland GmbH und Co KG im brandenburgischen Baruth südlich von Berlin. Ende 2017 sollen es 1000 Tonnen jährlich sein. Und auch in Fernost, im chinesischen Shenzhen, errichtet der Unternehmer eine Insektenfabrik, die 50 Tonnen Madenmehl pro Tag produzieren soll.

Little Fat Worm ist der Name der geplanten Anlage, kleiner fetter Wurm. Genau darum geht es: Maden zu mästen, bis ihnen fast die Chitinhülle platzt. Und ganz nebenbei auch noch die Welt zu retten.

Glaubt man Katz und seinen Mitstreitern, sind die Maden…

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Nr. 8/2016