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Politik

»Lupenreiner Populismus«

Parteichef Christian Lindner, 39, über das Frauenproblem der Liberalen und ein Bündnis mit der »En Marche«-Partei von Emmanuel Macron

RODERICK AICHINGER / DER SPIEGEL
von
René Pfister
und
Christoph Schult
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Politik

SPIEGEL: Herr Lindner, was ist eigentlich anstrengender: eine APO-Partei zu führen oder als eine von vier Oppositionsparteien um die Aufmerksamkeit des Publikums buhlen zu müssen?

Lindner: Als außerparlamentarische Opposition spielen Sie keine Rolle. Politik findet auf Marktplätzen statt, in Hinterzimmern von Gaststätten, auf der Straße. Eine solche Phase ist charakterbildend, aber auch sportlich. Im Bundestag haben wir Einfluss, durch die Kraft des Arguments, durch Anfragen an die Regierung. Dass die CDU beim Thema Europa den Koalitionsvertrag mit der SPD infrage stellt, hat auch etwas damit zu tun, dass wir Druck machen. Denn gegen die Aufgabe finanzpolitischer Eigenverantwortung und die Vergemeinschaftung von Risiken auf Kosten der Kunden von Sparkassen und Volksbanken würden wir vor das Verfassungsgericht gehen.

SPIEGEL: Der Wähler weiß allerdings Ihre Oppositionsarbeit noch nicht so recht zu schätzen. In den Umfragen liegt die FDP derzeit unter dem Ergebnis der Bundestagswahl. Möglicherweise empfinden es die Bürger als naseweis, wenn Sie das große Wort gegen die Regierung führen, wo Sie doch hätten regieren können.

Lindner: Wir haben uns für den harten Weg entschieden, das ist wahr. Regieren wäre kurzfristig leichter gewesen, mittelfristig wäre uns der Bruch von Wahlversprechen teuer zu stehen gekommen. Wenn Sie sich nur kurzfristig an Umfragen orientieren, sind Sie als…

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Nr. 19/2018