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Politik

„Lieber sterbe ich“

Deutschland schiebt Flüchtlinge nach Bulgarien ab – obwohl sie dort kaum staatliche Unterstützung bekommen.

JODI HILTON / DER SPIEGEL
von
Maximilian Popp
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Politik

Nachts ist die Angst am größten. Im Dunkeln, das hat Nurhan Mohamed gelernt, kommen die Deutschen. Die Nachbarn, eine Familie aus dem Irak, wurden gerade erst abgeholt. Nurhan Mohamed und ihr Mann Rouni Haj Hamo, Asylbewerber aus Syrien, erwachten von dem Lärm. Jämmerliche Laute. Ein Wimmern und Weinen, erinnert sich Mohamed. „Ich höre die Schreie jetzt noch“, sagt sie.

Nurhan Mohamed kauert auf dem Bett in ihrer Einzimmerwohnung in Zwickau. Eine junge Frau, 24 Jahre alt, in Jeans und mit roten Strähnen im Haar. Neben ihr sitzt ihr Mann Rouni Haj Hamo, 28. Er hält ihre Hand. Das gemeinsame Baby, Juan, krabbelt über den Boden. Die Eheleute sind im Sommer 2013 vor dem Bürgerkrieg in Syrien nach Deutschland geflohen. Seit einem Jahr leben sie in einem Plattenbau in Sachsen.

Teddys und ein Kinderfahrrad liegen in der Wohnung verstreut, Spielzeug, das Nachbarn gespendet haben. Die beiden Syrer haben Freunde in der Stadt gefunden, lernen Deutsch. An Ostern feierten sie gemeinsam mit Mitgliedern der Kirchengemeinde ein christlich-muslimisches Fest. „Die Menschen in Sachsen sind wundervoll. Sie haben uns ein zweites Zuhause geschenkt“, erzählt Nurhan Mohamed.

Die deutschen Behörden aber möchten das Paar loswerden. Zwar beteuert die Bundesregierung, syrischen Bürgerkriegsflüchtlingen helfen zu wollen. Doch die Solidarität gilt weitgehend jenen 20 000 Syrern, die über ein Kontingentprogramm nach Deutschland eingeflogen wurden. Menschen, die wie Mohamed…

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Nr. 19/2015