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Politik

Letzte Auffahrt Adlershof

Für SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz ist das TV-Duell die wohl letzte Chance auf eine Wende. Also bereitet er sich akribisch vor. Die Kanzlerin setzt derweil auf das Motto: Keine Experimente!

NIKITA TERYOSHIN / DER SPIEGEL
von
Christiane Hoffmann
,
Alexander Kühn
,
Veit Medick
und
Ralf Neukirch
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Politik

Es klingt wie ein Witz, aber der Herausforderer von Angela Merkel glaubt seit dieser Woche, das Momentum des Wahlkampfs auf seiner Seite zu haben. Seit Montag zieht Martin Schulz über die Marktplätze der Republik, und die Zustimmung, die er dort spürt, passt nicht recht zu den Umfragen, in denen die SPD seit Monaten abgeschlagen hinter der Union liegt. Deshalb, und weil angeblich fast 50 Prozent der Bürger noch nicht entschieden haben, welche Partei sie wählen, glaubt Schulz, das Rennen sei noch nicht gelaufen.

Das mag die übliche Selbsthypnose eines Wahlkämpfers sein und damit auch Selbsttäuschung. Der Zulauf zu Schulz' Veranstaltungen aber ist tatsächlich groß. In Göttingen kamen am Mittwoch 3000 Menschen, weit mehr als in den SPD-Wahlkämpfen der jüngeren Vergangenheit. In Bremen und Trier waren es ähnlich viele. Die Neugierde auf den Mann, der zu Jahresbeginn in den Umfragen kurz auf Merkel-Niveau geklettert war, scheint noch nicht erloschen.

Die eigentliche Hoffnung auf eine Wende im Wahlkampf verbinden die SPD-Strategen aber mit dem TV-Duell am 3. September. Es ist das wichtigste Einzelereignis dieses Wahlkampfes – und das einzige Mal, dass die Bürger die Kanzlerin und ihren Herausforderer im direkten Vergleich erleben dürfen. Rund 15 Millionen Bürger werden den beiden dabei zusehen.

Während das Duell für Schulz die vermutlich letzte Chance ist, seinem Wahlkampf jenes Feuer zu verleihen, das bislang fehlte, sieht die Kanzlerin im…

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Nr. 35/2017