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„Leben ist nicht ohne Risiko“

Die Medizinerin Elke Holinski-Feder plädiert für Forschung an Embryonen und sagt, wie weit man gehen darf, um den Elternwunsch nach einem gesunden Kind zu erfüllen.

DIETER MAYR / DER SPIEGEL
von
Kerstin Kullmann
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Holinski-Feder, 55, ist Ärztin und Chemikerin. Sie leitet das Medizinisch Genetische Zentrum (MGZ) in München. In ihrer Praxis werden jedes Jahr 2000 Patienten genetisch untersucht. Seit 2015 führt das MGZ auch die Präimplantationsdiagnostik (PID) durch: Paare mit Kinderwunsch, die erblich vorbelastet sind, können Zellen des Embryos testen lassen, bevor er der Frau eingesetzt wird.

SPIEGEL: Die Nationale Akademie der Wissenschaften fordert, auch in der Bundesrepublik Embryonen für medizinische Forschungszwecke verwenden zu dürfen – wie das in Frankreich oder Großbritannien längst geschieht. In Deutschland ist das bislang gesetzlich verboten. Was halten Sie von dem Vorstoß?

Holinski-Feder: Ich finde ihn vernünftig. Es muss eine Chance geben, aus diesen Zellen wissenschaftliche Erkenntnisse zu gewinnen; der Mensch ist nun einmal einzigartig in seiner Entwicklung. Und die ethischen Auflagen, welche die Akademie der Wissenschaften vorschlägt, sind sinnvoll: Forschung nur an Embryonen, die andernfalls keine Lebenschance hätten – und zwar ohne Veränderung der Keimbahn.

SPIEGEL: Kritiker sehen darin einen Angriff auf den bisher strengen Embryonenschutz.

Holinski-Feder: Das ist es nicht. Nicht jede wissenschaftliche Neuerung bedeutet gleich Unheil für die Menschheit. Schon als die ersten Röntgenbilder entstanden, hatten einige Angst, dass jetzt die Seele…

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Nr. 15/2017